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Wildbiologie- Das Sozialverhalten der Wildschweine

Wildschweine

Wildschweine leben in einer bestimmten Gruppe, der sogenannten Rotte zusammen. Innerhalb dieses Zusammenschlusses sind die Tiere in der Regel miteinander verwandt. Rottenfremde Wildschweine werden nicht in der Nähe geduldet, dürfen sich nicht anschließen und werden vertrieben. Insgesamt besteht die Rotte meist aus drei bis fünf großen Bachen, heranwachsenden Frischlingen und vereinzelt auch einigen Überläufern des Vorjahres. Die Gruppengröße kann durchaus eine Anzahl von 20 Stücken erreichen oder gar überschreiten. Im Frühjahr werden die Überläufer vertrieben, was man auch als „abschlagen“ bezeichnet, da sich die Muttertiere jetzt um den neuen Nachwuchs kümmern müssen. Die abgeschlagenen Tiere (das erste Lebensjahr ist bereits vollendet) bilden Überläuferrotten. Die männlichen Tiere sondern sich nach einiger Zeit von diesen Gruppen ab, denn die Keiler werden mit zunehmendem Alter zu Einzelgängern. Zur Paarungszeit von November bis Januar schließen sie sich einigen Mutterfamilien an. Dieser Kontakt bleibt jedoch sehr lose und dient ausschließlich der Fortpflanzung. Die Gruppen können bei Tod des Leittieres, nicht ausreichendem Nahrungsangebot, Bejagung oder sonstigen Störungen auseinanderbrechen. Das Leben in der Rotte ist in einem Matriarchat organisiert. Das Leittier und Oberhaupt im Sippenverband ist immer ein adultes, weibliches Tier. Die Hierarchie der anderen Mitglieder ist seit der Jungtierzeit ausgekämpft.

Struktur der Wildschweinfamilie

Bache: Die Bache ist ein weiblichen Stück Schwarzwild, welches älter als drei Jahre ist.

Keiler: Als Keiler (Keuler, Käuler) wird das ausgewachsene männliche Schwarzwild ab dem dritten Lebensjahr bezeichnet. Kennzeichnend sind sein Gewaff (Eckzähne oder Hauer im Ober- und Unterkiefer) sowie der Pinsel. Keiler sind Einzelgänger und schließen sich nur zur Rausche einer Rotte an. Sie erreichen bis zu 250kg

Überläufer: Männliche und weibliche Wildschweine von 12 bis 24 Monaten werden als Überläufer bezeichnet. In diesem Alter sind sie bereits geschlechtsreif.

Frischlinge: Junge männliche und weibliche Wildschweine bis zu einem Alter von einem Jahr heißen Frischlinge. Ihr Geschlecht lässt sich anhand des Aussehens nicht unterscheiden. Bei der Geburt wiegen die Schweine circa 1000g.

Die Leitbache

Die Leitbache ist das wichtigste Rottenmitglied, sie übernimmt eine hohe soziale Funktion und lässt die Gruppe mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen den Lebensraum optimal nutzen. In der Regel ist sie das älteste Stück innerhalb des Verbandes, allerdings nicht zwangsläufig das schwerste. Die Hierarchie regelt sich vornehmlich über das Alter, erst danach über die Stärke. Die Leitbache bestimmt in hohem Masse die Aktivitäten der Rotte wie Nahrungssuche, Suhlen und Auswahl der Kessel.In einer funktionierenden Rotte wird die Rausche der einzelnen Bachen synchronisiert, wobei der Zeitpunkt von der Leitbache bestimmt wird. Einer Theorie zufolge soll die Leitbache auch die Rausche der anderen weiblichen Stücke unterdrücken können, dies ist jedoch ein Irrglaube. Da es der Bache um die Mehrung der eigenen Gene geht und dies auch geschieht indem die anderen Rottenmitglieder frischen, ist sie nicht daran interessiert die Reproduktion zu monopolisieren.
Stirbt die Leitbache, wird deren Rolle entweder ersetzt, oder die Rotte löst sich auf. Fehlt der Sippe plötzlich die Leitbache, so kann dies zu großen Problemen führen. Muss beispielsweise eine Frischlingsbache die Führung übernehmen, so ist sie nicht in der Lage Situationen richtig einzuschätzen und adäquate Verhaltensmuster zu entwickeln, die Rotte ist in Gefahr.

Kommunikation

Wildschweine erkennen sich an Kontaktlauten und auch am Geruch. Über Drüsenorgane sondern sie  den für Schwarzwild arttypischen Geruch (ähnlich demjenigen von dem Küchenwürzmittel MAGGI®) ab. Am von den Duftdrüsenorganen ausgehenden Aroma erkennen sie ihren „Familiengeruch“ sowie den Individualgeruch ihrer Rottengenossen. Ein weiteres wichtiges Mittel zur Verständigung sind die Lautäußerungen. Dem Schwarzwild steht ein umfangreiches Repertoire mit drei Hauptlautgruppen zur Kommunikation zur Verfügung. Grunzlaute dienen hauptsächlich der Kontaktaufnahme. Warnlaute richten sich an alle Tiere einer Gruppe und werden bei drohender Gefahr abgegeben und lösen die Flucht aus.  Weiterhin gibt es individuell unterscheidbare und situativ angepasste Kontaktlaute innerhalb der Rotte, individuelle Kontaktrufe zwischen Bache und Frischlingen, hohe durchdringende Laute zum Kampf, Verteidigung und Angst, oder Such- und Klagelaute.

Die Rauschezeit

Frischlinge

Während der Rauschsynchronität der Rotte (6-8 Tage) von Oktober bis Januar gesellen sich die Keiler zu der Gruppe. Jüngere Keiler werden vertrieben. Gleich starke Rivalen tragen lautstarke Kämpfe aus. Die Männchen zeigen ihre Breitseite, um dem Gegenüber zu imponieren. Reicht das nicht, werden mit den Hauern heftige Hiebe ausgeteilt und mitunter tiefe Wunden gerissen. So rabiat Wildschweinkeiler im Kampf miteinander umgehen, Bachen gegenüber sind sie nahezu zärtliche Liebhaber, umkreisen sie grunzend, beschnüffeln und belecken sie eingehend, stupsen sie sanft in die Flanken und beknabbern zärtlich ihre Rüssel, bevor sie sich mit der aufnahmebereiten Bache paaren. Sobald jedoch die Rauschzeit vorüber ist, verschwindet der Keiler und folgt wieder seinem Einzelgängerdasein.

 

 

 

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