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Nutria – Ein Nager erobert Deutschland

Nutria

Nutrias ähneln auf den ersten Blick den Bibern oder Bisams. Sie sind jedoch deutlich kleiner als der Biber, aber größer als der Bisam. Ihre Schwänze sind rund, nicht abgeflacht und ungefähr 45cm lang. Unter optimalen Lebensbedingungen werden die Nutria bis zu 10 Jahre alt, erreichen eine Größe von 70cm und ein Gewicht von circa 9kg. Ihr Fell ist überwiegend rötlichbraun, am Bauch graubraun. Züchtungen haben auch Tiere mit weißem Fell hervorgebracht. Mit den Schwimmhäuten an den Hinterfüßen können sich die Tiere gut im Wasser fortbewegen. Die Nagezähne der Nutria sind auffällig orange. Nutrias sind tag- und nachtaktiv und leben monogam entweder paarweise oder in Familienverbänden von 12 bis 15 Tieren zusammen. Die Tierart stammt ursprünglich aus Südamerika und ist dort von Brasilien bis nach Feuerland verbreitet. Bei uns in Europa wurden die Nager zunächst auf Farmen gezüchtet, um Fleisch und Fell teuer zu verkaufen. Doch ihr Pelz wurde den Nagern beinahe zum Verhängnis. Anfang des 19. Jahrhunderts waren die freilebenden Bestände wegen der damals sehr hohen erzielten Preise für Nutriapelze durch intensive Bejagung weitgehend ausgerottet.

In der Camargue wilderte man die Art dann erstmals wieder aus, um Fischteiche von allzu reichem Pflanzenbewuchs zu befreien. Andere Versuche, die Tiere unter klimatisch ungünstigeren Bedingungen auszusetzen, schlugen hingegen fehl, da die Nutria strenge Winter mit gefrorenen Wasserflächen nicht überlebten. Mittlerweile ist die Population der großen Nager auch in Deutschland wieder stark angestiegen. Die Sumpfbiber bewohnen in freier Wildbahn Flüsse und Bäche, deren Ufer dicht bewachsen sind und in denen reichlich Wasserpflanzen wachsen. Anders als beim Biber liegen die Erdröhren über dem Wasserspiegel. Nutria können allerdings nur in Gegenden überleben, in denen es keine harten Winter gibt, denn wenn Teiche und Flüsse zufrieren, finden die Biberratten nichts mehr zu fressen. Nutrias ernähren sich überwiegend vegetarisch. Sie fressen hauptsächlich Blätter, Stängel und Wurzeln von Wasserpflanzen. Auch Mais verschmähen sie nicht. Selten ernähren sie sich auch von Schnecken, Würmern und Süßwassermuscheln.

Nutria in Deutschland

„Die Nutria profitiert von milden Wintern: Ihr Verbreitungsgebiet hat sich in 9 Jahren etwa verdoppelt, 16 Prozent der Reviere haben 2015 ein Vorkommen gemeldet. Die Population wächst rasant an“, so der deutsche Jagdverband. Verbreitungsschwerpunkte hat die Nutria im westlichen und östlichen Niedersachsen (Ems, Elbe), in Nordrhein-Westfalen, im Westen Baden-Württembergs (Rhein), im Norden Sachsen-Anhalts (Elbe) sowie im Nordwesten und Süden Brandenburgs (Havel, Schwarze Elster, Spreewald, Neiße). Das Problem dabei ist, dass die wenig scheuen Nutria Uferbereiche und Deichanlagen unterhöhlen. Wegen der Wühltätigkeit könnten sogar zum Unterhalt der Deiche eingesetzte Fahrzeuge einbrechen oder Dämme bei Hochwasser brechen. Zudem können sie Uferröhrichte durch Fraß stark schädigen und damit auch Lebensräume seltener Arten bedrohen. Wegen der Wühltätigkeit könnten sogar zum Unterhalt der Deiche eingesetzte Fahrzeuge einbrechen.

Oftmals hört man auch die Meinung, dass Nutrias unsere heimische Biberpopulation vertreibe – Dem ist aber nicht so, denn die Biberbestände nehmen in den letzten Jahren auch in Regionen zu, die bereits von Nutria besiedelt sind. Die beiden Nagetiere besetzen unterschiedliche ökologische Nischen und leben friedlich in ihrem Habitat nebeneinander. Allenfalls zwischen Nutria und Bisam gibt es Konkurrenz und an vielen Orten verdrängen die Nutrias die Bisamratten, da sie deren Bauten besetzen.

Dennoch – die EU hat die Nutrias inzwischen als sogenannte invasive Art im Visier. Die Stimmen nach der Jagd auf die Nager und bundesländerübergreifenden Managementplänen zur Eindämmung werden laut.

Die Jagd auf Nutria

„Zur Abwendung erheblicher wasserwirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Schäden sowie zum Schutz der heimischen Pflanzen- und Tierwelt ist die Bekämpfung von Bisam und Nutria erforderlich. Die Bekämpfung, insbesondere die der Bisamratte, dient auch der Volksgesundheit und dem Schutz des Wildes […]. Die Vernichtung von Wasserpflanzenbeständen kann zu Habitatverlusten für jagdbare und nicht jagdbare Tiere (z.B. Wasservögel) führen. Die Beteiligung der Jägerschaft an der Bekämpfung von Bisam und Nutria liegt daher im öffentlichen Interesse. Bisam und Nutria unterliegen dem allgemeinen Schutz wildlebender Tiere. Sie dürfen bei Vorliegen eines vernünftigen Grundes gefangen oder getötet werden.“ – Auszug aus dem Erlass des Innenministeriums und des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 15.10.2008. In Naturschutzgebieten sollte man jedoch vorsichtig sein!

In manchen Regionen Deutschlands ist sogar eine Abschussprämie auf Nutrias ausgesetzt worden. Durchschnittlich beträgt die Auszahlung zwischen drei und sechs Euro. Im Cloppenburger Nordkreis (Niedersachsen) zahlt beispielsweise die Friesoyther Wasseracht sechs Euro pro abgeliefertem Schwanz. Der Deichverband Xanten-Kleve am Niederrhein lobt Fangprämien von 5,62 Euro pro Tier aus. Dadurch dass die Wildart Nutria zwar im Jagdgesetz verankert wurde, jedoch nicht im Abschussplan erscheint bzw. es keine Schusszeiten gibt und Nutria nur auf Antrag und anschließender behördlicher Genehmigung erlegt werden dürfen, ist die Jägerschaft nicht zum Ersatz von Wildschäden verpflichtet.

Nutrias zählen laut Jagdgesetz nicht zum Wild und haben somit auch keine festgeschriebene Jagd-/Schonzeit. Die Bejagung der dämmerungs- und nachtaktiven Nutrias erfolgt am effektivsten an Wechseln zu landwirtschaftlichen Kulturen, an denen sie erhebliche Schäden anrichten. Alternativ bietet sich auch eine Möglichkeit, sie mit Obst und Gemüse anzukirren. Die Fangjagd mit Lebendfallen hat sich ebenso bewährt. Diese werden bevorzugt an Zwangswechseln oder mit Obst und Gemüse bestückt in der Nähe der Baue platziert. Gerne genommene Köder sind Äpfel, Möhren, Sellerie und Zuckerrüben. Falls man sich nicht sicher ist, ob ein Fangplatz geeignet ist, spießt man einen halben Apfel auf einen Stock und steckt diesen am Ufer des Gewässers so tief in den Schlamm, dass der Köder nur noch halb aus dem Wasser ragt. Der Duft des Apfels wird auf dem Wasser weitergetragen. Ist der Fangplatz geeignet, wird der Apfel bereits am nächsten Morgen verschwunden sein.

Eine Bejagung mit Totschlagfallen ist weitestgehend verboten, da kein selektives Fangen möglich ist. Totschlagfallen bergen stets die Gefahr, Nichtziel-Organismen zu treffen. Der Einsatz von Lebendfallen verursacht deutlich mehr Aufwand, da sie mehrmals täglich kon­trolliert werden müssen, versehentlich gefangene Tiere können jedoch wieder freigelassen werden.

Verwertung des Wildbretts

Eigentlich lässt sich das Wildbrett der Nutria gut verwerten. Das Fleisch ist schmackhaft und gilt als Delikatesse. Ob als schmackhafter Braten, Gulasch oder Landjäger, wenn Sie erst einmal danach suchen, so werden Sie viele tolle Rezepte finden. Zu beachten ist dabei, dass der Nutria auf Trichinenbefall zu untersuchen ist, obwohl er reiner Pflanzenfresser ist. Die leuchtend orangenen Zähne werden gern als Trophäe aufbewahrt. Hundeausbilder benutzen die Pelzträger gern als Schleppenwild und für alle weiteren Bringübungen. Teile der Kerne eignen sich gut als Köder für den Luderplatz. Das Fell können Sie gerben lassen, heutzutage hat es jedoch eher noch einen Liebhabercharakter.

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