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Invasive Arten – Die Globalisierung der Natur

Bisamratte

Eine „gebietsfremde Art“ wurde aus ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet heraus in ein anderes, fremdes Gebiet oder Land gebracht, schafft es dort zu überleben und sich fortzupflanzen. Als invasiv wird diese Art bezeichnet, wenn sie sich so stark ausbreitet, dass sie dadurch die biologische Vielfalt, andere Tier- und Pflanzenarten und damit die heimischen Ökosysteme gefährdet. Gründe für den Import dieser Neozoen gibt es viele. Einige Arten wurden aus kommerziellen Gründen und zu Vergnügungszwecken bewusst hierher gebracht – sei es zur Bejagung, zur Gewinnung von Pelz, für Zoos oder den Heimtierhandel. Andere Tiere gelangen unabsichtlich über Handelswege in fremde Länder. Durch die zunehmende Globalisierung und den weltweiten Handel eröffnen sich viele weitere Wege, über die sich neue Arten ausbreiten können.

Gefahren

Neozoen sind Hauptfaktoren für den Verlust der heimischen biologischen Vielfalt. Invasive Arten treten mit den heimischen Arten in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen. Sie können dadurch andere Arten oder ganze Artengemeinschaften verdrängen. Ein weiteres Problem: Die eingeschleppten Arten können die Standortbedingungen und damit ökologische Kreisläufe verändern. Die Tiere können nicht nur wirtschaftliche und ökologische Schäden, sondern auch Krankheiten übertragen, Gesundheitsprobleme verursachen oder zu Verlusten in der Landwirtschaft führen. Damit es nicht zu wirtschaftlichen Schäden kommt und um einen Verlust der Vielfalt der Tiere und Pflanzen zu verhindern gibt es eine spezielle Verordnung des Europäischen Parlaments über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver, gebietsfremder Arten. Die Kosten für die Beseitigung der durch invasive Arten verursachten Schäden werden allein in der EU auf zwischen 9,6 und 12,7 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Unionsliste der invasiven Arten

Amur-Schläfergrundel unbeständig
Asiatische Hornisse unbeständig
Bisamratte etabliert
Blaubandbärbling etabliert
Buchstaben-Schmuckschildkröten unbeständig
Chinesischer Muntjak Einzelfunde
Chinesische Wollhandkrabbe etabliert
Fuchshörnchen Kommt bisher nicht vor
Glanzkrähe Kommt bisher nicht vor
Grauhörnchen Kommt bisher nicht vor
Heiliger Ibis unbeständig
Kamberkrebs etabliert
Kleiner Mungo Kommt bisher nicht vor
Marmorkrebs etabliert
Marderhund etabliert
Nilgans etabliert
Nordamerikanischer Ochsenfrosch etabliert
Nutria etabliert
Pallashörnchen Kommt bisher nicht vor
Roter Amerikanischer Sumpfkrebs etabliert
Schwarzkopf-Ruderente unbeständig
Sibirisches Streifenhörnchen Kommt bisher nicht vor
Signalkrebs etabliert
Südamerikanischer Nasenbär Einzelfunde
Viril-Flusskrebs Kommt bisher nicht vor
Waschbär etabliert

Damit Sie sich ein besseres Bild über einige der eingewanderten Arten und deren Schäden verschaffen können, stellen wir Ihnen im Folgenden drei ausgewählte Beispiele vor.

1. Der Waschbär

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Der Waschbär stammt ursprünglich aus Mittel- und Nordamerika und wurde Anfang der 1920er Jahre erstmals per Schiff nach Europa gebracht. Damals dienten die Tiere hauptsächlich als Pelzlieferanten und wurden in Pelzfarmen gehalten. Erst in den 40er Jahren wurde der Waschbär dann erstmals zur Bereicherung der dortigen Fauna in Hessen ausgesetzt. Von dort an verbreitete sich das Tier in ganz Deutschland. Waschbären sind Raubtiere aus der Familie der Kleinbären. Sie werden bis zu 9kg schwer und 60cm lang. Die Lebenserwartung beträgt bis zu 16 Jahren. Nach 65 Tagen bringt das Muttertier circa 2-5 Junge zur Welt. Waschbären sind nachtaktiv und meist Einzelgänger. Auf dem Speiseplan des Bären steht so gut wie alles, Fische, Vögel, Mäuse, Obst, Gemüse und vieles mehr. Als Neubürger hat er keine direkten Fressfeinde, die seine Ausbreitung stoppen könnten.

Das Problem daran ist, der Waschbär bedroht regional ansässige Tierarten, plündert Nester von bodenbrütenden Vögeln und sucht dank seiner Kletterkünste auch in Baumkronen und Felsspalten nach Nahrung. Außerdem zieht es die Kleinbären immer mehr in von Menschen bewohnte Gebiete. Die Tiere siedeln sich in Parks und Grünanlagen an, suchen im Müll oder Kompost nach Essensresten oder leeren die gefüllten Futternäpfe der Haustiere. Manchmal verschaffen sie sich sogar über das Dach oder durch Katzenklappen Zugang in die Häuser.
Als der Waschbär nach Deutschland kam, stand er noch unter Naturschutz, heute unterliegt er jedoch dem Jagdrecht, mit Ausnahme der in einigen Bundesländern geltenden Schonzeiten.
Die Bejagung mit dem Ziel der Eindämmung war bisher jedoch wenig erfolgreich, denn Waschbären können Populationsverluste durch eine vermehrte Fortpflanzungsrate ausgleichen.

2. Die Bisamratte

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Die Bisamratte gehört zur Gruppe der Wühlmäuse und ist ein Nagetier. Ausgewachsen wird sie bis zu 40cm lang und 1kg schwer. Das Fell ist dunkel- bis kastanienbraun und wird an den Seiten heller. Der Schwanz ist geschuppt und seitlich abgeplattet. Ursprünglich stammt die Tierart aus Nordamerika und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa ausgesetzt. Die Tiere ernähren sich überwiegend vegetarisch und bevorzugen Wasserpflanzen. Daher bewohnen sie hauptsächlich Uferbereiche von Fließ- und Stehgewässern, wo sie sogenannte Bisamburgen, das sind weit verzweigte Systeme mit Höhlen und Gängen, anlegen. Die Tragezeit der Bisamratte beträgt etwa 30 Tage, danach bringt die Mutter 4-8 Jungtiere zur Welt. Die Lebenserwartung der Nager ist jedoch mit drei Jahren nicht sonderlich hoch. Bisams unterliegen dem allgemeinen Schutz wildlebender Tiere. Sie dürfen bei Vorliegen eines vernünftigen Grundes gefangen oder getötet werden. Da sie ihre Wohnröhren und Tunnelsysteme in Uferböchungen, Deichen und Dämmen baut, richtet sie aus wasserbaulicher Sicht oft Schäden an. In einigen Gebieten trägt sie außerdem zur Vernichtung von Wasserpflanzen und Röhrichtbeständen bei. Der Bisam ist weiterhin Überträger verschiedener, auch dem Menschen gefährlich werdender Infektionskrankheiten.

3. Die Nilgans

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Die Nilgans gelangte im 17. Und 18. Jahrhundert von Afrika nach Europa. Dort wurde sie anfangs in Parks, Menagerien und seit Anbeginn in den Zoos gehalten und gezüchtet. Entflogene Tiere begründeten im Laufe der Zeit an einigen Stellen in Europa regionale Nilganspopulationen. Der Lebensraum der Gänseart liegt meist in unmittelbarer Nähe von Gewässern, seien es Teiche, Flüssen, Seen oder Kanälen. Die Weibchen brüten meist am Boden und legen zwischen 5-12 Eiern, die nach 28-30 Tagen schlüpfen. Nilgänse werden circa 75cm groß, haben eine Flügelspannweite von bis zu 1,35m und die Lebenserwartung beträgt circa 15 Jahre. Männchen erreichen ein Gewicht von bis zu 2200g, Weibchen bis zu 1800g. Die Nahrung der Nilgänse reicht von Süßgräsern und Getreide bis hin zu geringen Mengen an Insekten und anderen Kleintieren. Natürliche Feinde der Gans sindMarder, Greifvögel, Füchse und Marderhunde. Doch auch die Nilgans kann zur Plage werden. Landwirte beklagen oft Ernteverluste, da die Gänse in den Wochen der Getreideaussaat und Getreideernte in den Dämmerungs- und Nachtstunden Nahrungsflüge zu den Kulturflächen unternehmen, wo dann nicht selten großer Schaden angerichtet wird. Zudem zupfen sie die zarten Sprösslinge auf den Wintergetreidefeldern. An den Ufern von Rhein und Neckar hinterlassen sie Kot und verbeißen Pflanzen, besonders in von Menschen angelegten und genutzten Parks und auf Liegewiesen führt dies zu Konflikten. Weiterhin gelten Nilgänse während der Brutzeit als aggressiv und verteidigen ihre Brut sowohl gegen Mensch als auch gegen andere Vogelarten.Die Nilgans unterliegt laut Bundesjagdgesetz nicht dem Jagdrecht, aufgrund der starken Ausbreitung wurde jedoch in einigen Bundesländern eine Jagdzeit festgelegt.

 

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