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Interview mit Jagdausbilder und -Prüfer Thomas Bautz zum Thema Drückjagd

Interview Thomas Bautz

Die Drückjagd ist für die meisten Jäger das Highlight im Jahr. Auch Jungjäger fiebern ihrer ersten Drückjagd entgegen und werden von ihrer zuständigen Jagdschule auf diese Saison vorbereitet. Wir haben mit dem Ausbilder und Prüfer Thomas Bautz der Jagdschule Jagen Lernen JL GmbH am Linslerhof in Überherrn gesprochen und konnten einige Tipps erhalten.

Herr Bautz, stellen Sie sich kurz unseren Lesern vor:

Mein Name ist Thomas Bautz, ich bin 56 Jahre alt, seit 15 Jahren hauptberuflicher Ausbilder für Jagdschüler in den Fächern Jagdrecht und Waffenrecht, Waffentheorie, Jagdbetrieb und Hundewesen, Kurz – und Langwaffenhandhabung, Schießausbilder im Büchsen – und Flintenschießen. Außerdem bin ich Prüfer für die Jägerprüfung bei der VJS.

Seit ca. 30 Jahren bin ich Jäger, seit 20 Jahren qualifiziert zum bestätigten Jagdaufseher. Ich bin der erste Jäger in der Familie. Die Jagd wurde mir durch einen guten Freund näher gebracht.

Ich habe Erfahrungen bei mehreren Auslandsjagden durch Begleitung von Jagdgästen in Russland, Tschechien, Ungarn, Österreich, Schweiz, Frankreich, Neufundland und Namibia.

Erst einmal Allgemein: Wie stehen Sie zur Drückjagd und warum?

Der Begriff der Drückjagd wird oft verwendet, wenn es zur Gesellschaftsjagd auf Schwarzwild geht. Eigentlich versteht man unter einer Drückjagd die Jagd auf Hochwild, bei der das Wild den Schützen ruhig und langsam vor die Büchse kommt, damit ein Ansprechen und zielsicheres Schießen ermöglicht werden soll. Also wird das anrühren des Wildes ruhig ablaufen, um das Wild zu beunruhigen, damit es auf seinen Wechsel davonzieht. Dort werden die Schützen postiert.

Aber durch Drücken werden wir die Sauen nicht effektiv auf die Läufe bekommen. Also sprechen wir bei der Jagd auf Schwarzwild eher von einer Treibjagd. Viele Treiber, stöbernde Hunde, also wird es schon eher laut.

Die zum Beispiel im Saarland am häufigsten durchgeführte Gesellschaftsjagd auf Schwarzwild wird in Form einer Ansitzbewegungsjagd durchgeführt. Schützen werden in den Revieren auf Drückjagdständen an den Wechseln das Wild erwarten. Das Wild wird laut getrieben, somit haben die Schützen auch einen Hinweis auf das Herannahen von Wild und natürlich auch der Treiberwehr.

Durch diese Jagdform ist das Bejagen von Schwarzwild eine effektive Form der Schwarzwildreduktion. Selbstverständlich kann sich der Jagderfolg nur mit versierten Schützen einstellen. Deshalb halte ich es auch für sinnvoll, dass im saarländischen Jagdgesetz der Schießnachweis für Gesellschaftsjagden für alle teilnehmenden Schützen zur rechtlichen Voraussetzung gemacht wurde. Wichtig ist dabei natürlich auch, dass die Jagdleiter die Erfüllung der Schießnachweise kontrolliert und die Bestimmungen einhält.

Aber nicht nur das einfache Erfüllen der erforderlichen Ringzahlen sollte für den Jäger selbstverständlich sein. Auch regelmäßiges Training in den Disziplinen des Bewegungsschießens sollte dem waidgerechten Jäger ein Selbstverständnis sein.

Unter diesen Voraussetzungen halte ich die Gesellschaftsjagd auf Schwarzwild eine durchaus legitime Art der Bejagung, um die entsprechenden Erlegungszahlen zu erreichen.

Was ist Ihnen bei der Drückjagd wichtig?

Gute und unter Sicherheitsaspekten erforderliche Vorbereitung der Jagd.

Versierte und erfahrene Schützen zur Jagd einladen, aber auch Jungjägern mit der entsprechenden Ansage die Teilnahme ermöglichen, um diese an die Jagdform gezielt heranzuführen.

Gezielte Auswahl der Treiber und Hundegruppen. Hier gibt es leider immer noch Gruppen, deren Ziel es ist, als Treiber die Beute zu machen. Treiber sind zum Treiben da. Die Schützen zum Erlegen.

Die Tradition nicht vergessen, sonst verlieren wir diese. Heutzutage verschwinden viele Teilnehmer unmittelbar nach dem Abblasen und sind beim traditionellen Strecke legen und Schüsseltreiben nicht mehr zu sehen.

Wie bereiten Sie Schüler auf die Drückjagd vor?

In der theoretischen Ausbildung werden die Jagdarten und deren Abläufe intensiv bei der Ausbildung behandelt.

Vorgeschrieben (und wird in der Ausbildung auch durchgeführt) ist die Teilnahme an einer Gesellschaftsjagd. Etwa die Hälfte unserer Schüler haben in ihren heimischen Revieren schon als Treiber an Gesellschaftsjagden teilgenommen. Sehr oft mit unterschiedlichen Erfahrungen.

Sehr intensiv wird auf die Einhaltung der sicherheitsrelevanten Vorschriften bei Gesellschaftsjagden hingewiesen, um eine Sensibilisierung in dieser Hinsicht zu erzielen. Das ist mir sehr wichtig.

Ich habe dazu im Unterricht ein paar Filmchen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Was geben Sie persönlich Ihren Schülern mit auf den Weg bezüglich einer Drückjagd?

Ganz ehrlich? Ich gebe meinen Schülern folgende Richtlinien mit auf den Weg:

Haltet euch unbedingt an die Regeln und Vorschriften der UVV bei Gesellschaftsjagden. Lasst Sicherheit vor dem Jagderfolg stehen. Schießt nur, wenn ihr euch sicher seid. Ist die Situation knifflig, lasst den Finger gerade. Nutz eine Waffe bei der ihr möglichst schnell nachschießen könnt, wenn es erforderlich ist.

Wenn ihr erkennt, dass bestimmte Schützen an der Jagd teilnehmen, die als wilde Schießer bekannt sind, bedankt euch beim Jagdleiter für die Einladung und verbringt lieber einen ruhigen, aber sicheren Tag mit der Familie oder geht in eurem Revier auf die Einzeljagd.

Wenn ihr eklatante Verstöße gegen die UVV bei Teilnehmern auf der Jagd bemerkt, habt den Mut, um diesen auf sein Fehlverhalten hinzuweisen und an den Grundsatz der Waidgerechtigkeit „Anständigen Verhalten der Jäger untereinander“ hinzuweisen.

Was sollte man bei der Drückjagd mitnehmen?

Da ich vorher nicht wissen kann, ob ich auf einer Ansitzeinrichtung eingeteilt bin oder einen Standplatz auf der Erde bekomme, habe ich auf jeden Fall ein Sitzkissen und einen Sitzstock dabei.

Meine Kleidung ist der Witterung angepasst. Es gibt ja Wettervorhersagen, an denen man sich gut orientieren kann.

Im Rucksack habe ich:

  • Erste Hilfe Päckchen aus dem Motorradhandel
  • Bergehilfe, auch als Hundeleine einsetzbar, falls einer der Jagdhunde mitgenommen werden muss
  • Arbeitshandschuhe
  • Handschuhe zum hygienischen Versorgen von Wild
  • Wärmende Handschuhe, falls es zu kalt wird
  • Schal
  • Sturmhaube
  • Taschenlampe, man weis ja nie
  • Kleine Handsäge, um nicht korrekt vorbereitete Stände zu bearbeiten
  • Fernglas
  • Für alle Fälle (ich brauchte sie schon mal) Ersatzunterwäsche, Strümpfe und ein kleines Handtuch
  • Kunststoffbeutel für Proben und Innereien
  • Mehrere lange und starke Kabelbinder
  • Thermoskanne mit warmem Getränk. Ich mag Kaffee
  • Snacks, falls der kleine Hunger kommt

In der Waffentasche befindet sich:

  • Geradezugrepetierer
  • Montiert variables ZF
  • Wechseloptik, Aimpoint, falls ich einen Standplatz mit kurzem Schussfeld bekomme
  • Ausreichend Munition
  • Bore Snake und einen öligen Lappen in Folie eingepackt
  • Waffenfutteral außen

Anglerschirm mit 2m Durchmesser zusammensteckbar, den befestige ich bei Regen mit den Kabelbindern an einer Ecke des Standes. Ich werde nicht mehr nass. Das ist echt ungemütlich bei mehreren verregneten Stunden.

Am Mann:

  • Jagdschein und WBK
  • Jagdmesser
  • Smartphone, das kann ja heutzutage alles, auch GPS, falls erforderlich
  • Notrufnummern die von der Jagdleitung ausgegeben werden, mit Nummern wichtiger Funktioner der Jagd
  • Taschentücher
  • notwendige Medikamente
  • Bleistift, schreibt auch bei Kälte und Nässe
  • Kleiner Notizblock
  • Tophit Clip von Gefrierbeuteln, falls das Aufbrechen am Standort angeordnet wird und Wiederkäuer erlegt werden. Beim Saarforst immer so. (Die Dinger stehle ich meiner Frau aus der Küchenschublade)

Weitere Informationen zu Thomas Bautz und der JL Jagen Lernen GmbH am Linslerhof finden Sie in unserem YouTube Video:

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