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Heimische Wildarten IV: Damwild

Damwild

Der Damhirsch (lateinischer Name: Dama dama) ist kein ursprünglich in Mitteleuropa beheimatetes Tier. Es wird vermutet, dass Damwild ursprünglich im Gebiet Vorder- und Kleinasien verbreitet war und erst mit den Römern vor über 2000 Jahren in andere Regionen eingeführt wurde. Auch in der Zeit des Absolutismus (17.-18. Jahrhundert) wurde die Verbreitung des Tieres durch Grafen und Könige weiter voran getrieben, da diese mehr jagdbares Hochwild haben wollten. Auch heute wird der Damhirsch vielerorts noch in angelegten Wildgattern gehegt. Er hat sich allerdings auch freilebend in ganz Europa verbreitet und kommt mittlerweile auch in vielen Regionen weltweit vor, u.a. in Neuseeland, Australien, Nordamerika und Argentinien.

RehDamwild ist deutlich kleiner als Rotwild, zählt aber ebenfalls zur Ordnung der Paarhufer und zur Familie der Hirsche. Die Schulterhöhe beträgt ca. 80 bis 100 cm, wobei die männlichen Hirsche größer sind als die Weibchen. Ein Damhirsch kann ein Körpergewicht von bis zu 120 kg aufweisen. Charakteristisch für die männlichen Tiere ist das Schaufelgeweih. Je nach Alter des Damhirsches unterscheidet man, ähnlich wie beim Rotwild, verschiedene Geweihstadien (u.a. Spießer, Löffler, Schaufler). Im Vergleich zum Rothirsch ist das Geweih selbstverständlich weniger imposant, es kann allerdings trotzdem bis zu 70 cm lang werden. Abgeworfen wird es im Frühling, im Zeitraum Ende August bis Anfang September wird das neu gebildete Geweih verfegt. Damwild zeichnet sich äußerlich weiterhin durch lange Läufe und lange Wedel mit schwarzer Spitze aus. Der Spiegel ist wie beim Reh weiß, allerdings schwarz umrahmt. Die Fellfarben von Damwild variieren im Vergleich zu Reh- und Rotwild deutlich stärker. Es gibt Farbschläge, die fast komplett weiß sind, aber auch solche die fast schwarz sind. Die Decke wird zweimal im Jahr gewechselt und ist im Sommer rotbraun mit Aalstrich und deutlich sichtbaren weißen Flecken. Im Winter ist die Decke graubraun gefärbt. Damhirsche können durch aus bis zu 20 Jahre alt werden, erreichen in der freien Wildbahn aber selten ein Alter höher als 10 Jahre. Damwild hat ein wesentlich besseres Sehvermögen als seine nahen Verwandten. In Kombination mit dem sehr guten Geruchssinn sind diese beiden Sinne die Hauptschutzfunktion des Damwilds. Das Hörvermögen ist im Vergleich zu den anderen Vertretern der Hirsch-Familie eher unterentwickelt.

Lebensraum und Ernährung

Ähnlich wie Rehwild ist auch das Damwild sehr anpassungsfähig und kann als Kulturfolger klassifiziert werden. Es besiedelt sehr unterschiedliche Kulturräume und kommt auch mit sehr wenigen Waldanteilen aus. Auch das Halten in Gattern ist immer noch verbreitet. Ein optimales Damwild-Revier zeichnet sich durch eine gute Mischung von Wald- und Feldfluren aus, wobei der Wald vorwiegend aus Laubbäumen besteht. Eine üppige Bodengewächsvegetation ist hilfreich für die Damhirsche. Der Wald wird vorwiegend als Deckung genutzt und ist nicht zwingend für die Nahrungsaufnahme notwendig. Auch deshalb kommen in Ländern wie Großbritannien sehr viele Damhirsche vor; trotz offener Agrarsteppe mit geringen Waldanteilen. Ähnlich wie das Reh kann das Damwild dem Schlüpfertypus zugeordnet werden. Es zeigt allerdings innerhalb der Familie der Hirsche die größtmögliche Anpassung an den Menschen und lässt sich auch von regelmäßigen Störungen oftmals nicht aus dem Lebensraum vertreiben. In Territorien mit hohem Damwild-Bestand kommen in der Regel weniger Rehe vor. Rehwild weicht dem eher unruhigen Damwild aus und verlässt für gewöhnlich bei Auftreten die Äsungsflächen.

In Bezug auf die Ernährung gilt Damwild verglichen mit Rehen und Rotwild als die genügsamere, leichter zu mäßigende Art. Bedrohliche Schäden am Forst treten erst bei sehr hohen Wilddichtewerten auf. Wie der Rothirsch ist der Damhirsch ein Wiederkäuer. Er ist auch in der Lage sehr rohfaserreiche und schwer aufschließbare Nahrung zu verdauen. Damwild ernährt sich pflanzlich – Gräser, Kräuter, Blätter, Rinde, Früchte, Pilze und verholzte und unverholzte Triebe stehen auf der Speisekarte der Paarhufer. Welche Nahrung primär aufgenommen wird, hängt vom Angebot und der Jahreszeit ab. Getreide und Früchte, die landwirtschaftlich angebaut werden, werden ebenfalls von Damwild konsumiert. Auch Kartoffeln, Rüben, Raps und Sonnenblumen werden geäst. Damhirsche essen grundsätzlich sehr wasserhaltig, was dazu führt, dass sie sehr gut in der Lage sind längere Zeit ohne Wasser auszukommen.

Fortpflanzung und Gefährdung

Das sowohl tag- als auch nachtaktive Damwild gilt als sehr gesellig und lebt in Rudeln mit mehrerenDamwild Dutzend Tieren. Ähnlich wie beim Rotwild bilden die Tiere sogenannte Kahlwildrudel mit den weiblichen Tieren und den Jungtieren. Junge Damhirsche schließen sich in reiferem Alter in „Junggesellenrudeln“ zusammen, während ältere Hirsche oft als Einzelgänger unterwegs sind. In der Brunftzeit von Oktober bis November steht das Damwild ungetrennt beieinander. Je nach der örtlichen Populationsgröße besetzt der Damhirsch entweder ein Brunftterritorium, um Weibchen anzulocken, dass er gegen andere Damhirsche verteidigt oder er versucht sich eine Gruppe Weibchen als Harem zu halten (ähnliche dem Rothirsch). Die Tragezeit liegt etwa bei 7-8 Monaten, meistens wird nur ein, selten zwei Kälber geboren. 2-3 Wochen nach der Geburt sind die Kälber in der Lage der Mutter zu folgen, sie werden noch für ca. 9 Monate gesäugt. Während Weibchen bereits mit einem Jahr in der Lage sind Kälber zu setzen, sind Damhirsche erst ab 4 Jahren in der Lage sich erfolgreich bei der Brunft durchzusetzen. Genau wie beim Rotwild gibt es auch beim Damwild Brunftkämpfe, allerdings sind diese eher zeremonieller Bedeutung und haben keine so große Auswirkung wie bei dem größeren Vertreter aus der Familie der Hirsche.

Damwild kann in Gefangenschaft bis zu 30 Jahre alt werden. In freier Wildbahn wird es in der Regel 15 bis 20 Jahre alt, sofern es bejagt wird liegt der Durchschnitt selbstverständlich noch etwas tiefer. Damwild gilt allgemein als sehr robust, die Bestände sind hierzulande also nicht bedroht. Stark eingeschränkt werden sie lediglich durch die Jagd. Am höchsten ist die Sterberate der Damhirsche innerhalb der ersten Lebensmonate. Verglichen mit anderen Schalenwild-Arten ist die Sterberate allerdings selbst hier relativ gering. Bedeutende Fressfeinde, die die Damwild-Population deutlich einschränken gibt es Mitteleuropa kaum. Sowohl Rotfuchs, größere Raubvögel und Wildschweine sind eine potentielle Gefahr für frisch gesetzte Kälber, allerdings kommt ihnen bestandsübergreifend keine große Bedeutung zu. Wolf und Luchs können bestandsregulierende Auswirkungen haben, sind aber in Deutschland zu selten. Die größte Gefahr von Fressfeinden geht von wildernden Hunden aus. Etwa die Hälfte aller restlichen Todesfälle geht auf Verkehrsunfälle zurück (etwa 4000 im Jagdjahr 2014/15).

Jagd- und Schonzeiten

In den letzten beiden Jagdjahren wurden in Deutschland jeweils ca. 60.000 Stück Damwild erlegt. Wie bereits eingangs erwähnt, ist die heutige Verbreitung des Damwilds bei uns hauptsächlich auf dessen Einführung als Jagdwild zurückzuführen. Damit die Damwild-Population nicht unkontrolliert ansteigt, wird in Deutschland genau auf die Zuwachsrate der Bestände geachtet. Wenn der Bestand auf der gewünschten Höhe ist, werden jährlich so viele Hirsche geschossen, wie sich nach der Zuwachsrate der Population ergibt. Im Herbst jeden Jahres wird daher in der Regel etwa ein Drittel des Bestandes erlegt. Genau wie beim restlichen Schalenwild richten sich die Jagd- und Schonzeiten nach den Setzzeiten der Tiere. Wie immer gilt, dass die exakten Zeiten je nach Bundesland leicht voneinander abweichen können. Das aktuelle Bundesjagdgesetz gibt für das Damwild die folgenden Jagdzeiten vor:

  • Kälber: 1. September – 28. Februar
  • Schmalspießer: 1. Juli – 28. Februar
  • Schmaltiere: 1. Juli – 31. Januar
  • Hirsche und Alttiere: 1. September – 31. Januar

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