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Heimische Wildarten III: Rotwild

Rotwild

Das Rotwild (lateinischer Name: Cervus elaphus) gehört ebenso wie das Reh zur Familie der Hirsche und zur Ordnung der Paarhufer. Als größte freilebende Wildart in Deutschland genießt Rotwild ein besonderes Ansehen bei den hiesigen Jägern. Männliche Tiere (einfach Hirsch genannt) werden bis zu 250 kg schwer und verfügen über eine Schulterhöhe von bis zu 150 cm. Die weiblichen Tiere, Hirschkühe genannt, erreichen lediglich eine Höhe von 120 cm und ein Gewicht von etwa 150 kg. Das Fell von Rotwild wird in Sommer- und Winterdecke unterschieden. Im Sommer ist die Decke von rotbrauner Farbe, daher auch der Name Rotwild- bzw. Rothirsch. Das Winterfell ist dunkelgrau bis braungrau gefärbt. Kennzeichnend für die männlichen Hirsche ist das stattliche Geweih, das über 12 kg schwer werden kann. Zwischen Februar und April werfen Hirsche ihr Geweih komplett ab und bauen es bis zum frühen Herbst wieder auf. In den Sommermonaten findet das sogenannte Abfegen statt; die Hirsche reiben dann ihren Bast, eine fellähnliche Haut, die das Geweih umgibt, an Bäumen im Wald ab. Die Beschaffenheit der Geweihstangen kann bei der Benennung der Hirsche helfen. Ein Hirsch, der an jeder Geweihstange sechs Enden oder Sprossen aufweist, wird als Zwölfender bezeichnet. Kälber und Hirschkühe tragen kein Geweih, daher rührt ihr jagdlicher Name: Kahlwild.

Der Geruchsinn beim Rotwild ist besonders gut entwickelt. Die meisten Verhaltensmuster der Tiere richten sich nach der geruchlichen Orientierung, so bewegen sie sich bevorzugt gegen den Wind. Bei den richtigen Windverhältnissen kann Rotwild die menschliche Witterung bis auf mehrere hundert Meter wahrnehmen. Ähnlich wie beim Reh sind die Augen nicht besonders stark entwickelt. Ihr Erkennungsvermögen für unbewegte Gegenstände ist nicht sehr hoch, auf Bewegungen reagieren sie stattdessen besonders schnell. Dank stark erweiterbaren Pupillen ist das Dämmerungssehen der Tiere gut ausgebildet. Rotwild tritt in einem großen Verbreitungsgebiet von Europa bis nach Nordafrika, Zentral- und Westasien auf. Als rotwildreichste Länder gelten Großbritannien, Deutschland und Österreich. Innerhalb Europas ist das Rotwild die größte Hirschart nach dem Elch.

Lebensraum und Ernährung

Dass der Hirsch hierzulande oft auch als „König des Waldes“ bezeichnet wird, ist eigentlich Hirschirreführend, da er früher vor allem in Steppen-Regionen heimisch war. Erst durch den immer weiter vordringenden Menschen wurde das Rotwild mit der Zeit langsam in den Schutz der Wälder verdrängt. Heute lebt das Rotwild in Mitteleuropa fast ausschließlich in Waldgebieten, hat aber nichts von seiner Anpassungsfähigkeit verloren. Sowohl nahrungsarme, dichte Waldgebiete als auch fast komplett baumfreie Landschaften, wie in Schottland, dienen Rotwild als Lebensraum. Es kommt außerdem auch in kälteren Regionen in den Alpen, aber auch in heißen Tiefebenen in Südeuropa vor, auch im Bezug auf Klima ist es also sehr wandelbar. Als optimaler Lebensraum für Rotwild gilt eine enge Verbindung von Wäldern und großen offenen Lichtungen. Im Gegensatz zu anderen Wildarten meidet das Rotwild den Menschen allerdings sehr stark. Selten wird man die Tiere in unmittelbarer Nähe zu Dörfern oder Städten sehen; die Lebensraumwahl für das Rotwild ist im dicht besiedelten Deutschland daher recht eingeschränkt.

Auch in Bezug auf seine Nahrungsaufnahme ist der Rothirsch sehr anpassungsfähig. Als Wiederkäuer besitzt er einen Magen mit vier Kammern. Hauptnahrung für das Rotwild sind Wildgräser, Kräuter, Beeren, Obst, Knospen, Triebe und Wildsträucher. Auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen finden Hirsche Nahrung. Im Sommer beschränkt Rotwild die Nahrung hauptsächlich auf eiweißreiche Nahrung, im Winter geht die Nahrungsaufnahme zurück, da sich ein zu hoher Eiweißanteil negativ auf den reduzierten Stoffwechsel zur kalten Jahreszeit auswirkt.

Fortpflanzung und Gefährdung

Rothirsche sind soziale Tiere, die sich in größeren Gruppen oder Rudeln zusammenschließen. Einzelne Rudel sind ihrem Territorium sehr treu und verlassen es wenn überhaupt nur bei großer Beunruhigung oder Gefahr. Wie groß einzelne Rudel werden können hängt von mehreren Faktoren ab, u.a. stark vom Lebensraum. In Europa kann es in einigen Regionen durchaus zu Rudeln mit mehr als hundert Tieren kommen. Nah verwandte Tiere zu dem hier beheimateten Rotwild können in Nordamerika und anderen weitläufigeren Gebieten sogar Rudel mit 1000 oder mehr Tieren bilden. Die Rudel sind in der Regel nach Geschlechtern getrennt. Bei sehr alten Tieren kann es ab und zu auch zu Einzelgängertum kommen.

HirschDie Brunftzeit der Hirsche findet von Mitte September bis Mitte Oktober statt. Zu dieser Zeit kommt das Kahlwildrudel an Brunftplätzen zusammen. Der Platzhirsch verteidigt das Rudel gegenüber seinen Konkurrenten. Das Recht auf das Revier wird unter den Hirschen durch Kämpfe mit dem Geweih ausgefochten. Die Hirschkühe bleiben in der Folge beim stärksten Hirsch und paaren sich mit ihm. Sie sind nur etwa 2-3 Tage brunftig. Hirsche äsen während der Brunftzeit kaum noch und verlieren viel Gewicht. Deutlich erkennbar ist die Brunftzeit an dem bekannten Röhren und Schreien der Hirsche zu dieser Zeit. Sobald die Brunftzeit abklingt, trennen sich die Hirsche wieder vom Kahlwildrudel. Eine Hirschkuh trägt ca. 8 Monate und bringt meistens genau ein Kalb zur Welt. In den ersten Lebensmonaten nach der Geburt (meist im Juni) legen sich die Kälber im dichten Gras oder Unterholz ab und drücken sich regungslos zu Boden, um vor Feinen geschützt zu sein. Sie werden bis in den Winter gesäugt. Ab einem Alter von 6 Jahren ist ein Hirsch theoretisch in der Lage Platzhirsch zu werden. In Gefangenschaft können Rothirsche bis zu 20 Jahre alt werden, in freier Wildbahn ist die durchschnittliche Lebenszeit natürlich deutlich geringer.

Rotwild gilt hierzulande nicht als gefährdet. Es wird geschätzt, dass etwa 220.000 Exemplare in Deutschland leben. Die größte Gefahr für die Tiere hier in Deutschland ist die Zerstörung ihrer Lebensräume durch den zunehmenden Ausbau von Siedlungen und Straßennetzwerken. Rückzugsgebiete für Rotwild müssen dringend erhalten bleiben, auch natürliche Wanderungen und die Vermischungen verschiedener Bestände (und somit die Vermischung des Erbgutes) müssen möglich sein. Schlechte Witterung und schwere Winter mit Nahrungsmangel können ebenfalls Auswirkungen auf die Population haben. Fluss- und Talauen müssen für die Tiere als Rückzugsgebiete auch weiterhin zur Verfügung stehen. In einigen Bereichen bietet sich auch die gezielte, kontrollierte Fütterung der Tiere an, auch gerade um größere Wildschäden an der Waldvegetation zu vermeiden. Auch Wildunfälle beeinflussen die Population; in den letzten Jahren gab es jährlich ca. 2000-3000 Wildunfälle mit Rotwild. Natürliche Fressfeinde mit starkem Einfluss auf die Population existieren in Europa kaum. Wölfe sind im Rudel in der Lage adulte Tiere zu jagen, kommen in Deutschland allerdings bisher nur selten vor. Junge Kälber können auch Füchsen, Wildkatzen oder größeren Greifvögeln zum Opfer fallen. Hirsche sind dank ihrem Geweih gut in der Lage sich gegen diverse Fressfeinde zu wehren, auch Muttertiere zeigen aggressives Verhalten, wenn es um den Schutz ihrer Kälber geht. Die Jagd ist der größte Faktor in Deutschland, der die Populationsdichte beeinflusst.

Jagd- und Schonzeiten

In den letzten beiden Jagdjahren wurden in Deutschland jeweils zwischen 70.000 und 80.000 Stück Rotwild erlegt. Der Rothirsch ist in Deutschland durch die sogenannten Rotwildbezirke eingeschränkt. Nur in diesen behördlich festgelegten, inselartigen Rückzugsgebieten darf Rotwild vorkommen. Außerhalb der Gebiete gelten in manchen Bundesländern ein z.T. sehr strenges Abschussgebot und ein generelles Verbot zur Hege. Wanderungen des Rotwildes zwischen Rotwildgebieten werden keine Ausnahmeregeln zuteil. Die genetische Vielfalt der Population und notwendiger Austausch zwischen unterschiedlichen Rotwildgebieten ist so nicht mehr gewährleistet. Über den Sinn dieser Regelung wird seit vielen Jahren diskutiert. Die Deutsche Wildtier Stiftung und der Naturschutzbund Deutschland (beides Vereine, die die generelle Jagd und Hege für wichtig halten) stellen sich ganz klar gegen eine derartige Einschränkung des natürlichen Verbreitungsgebietes des Rotwilds. In einigen Bundesländern, gerade im Norden, wurden die Regelungen auch bereits gelockert.

Das Bundesjagdgesetz gibt für Rotwild die folgenden Jagdzeiten vor:

  • Kälber: 1.August – 28.Februar
  • Schmalspießer: 1.Juni – 28.Februar
  • Schmaltiere: 1.Juni – 31.Januar
  • Hirsche und Alttiere: 1.September – 31.Januar

Die genauen Jagdzeiten können für die unterschiedlichen Bundesländer variieren.

 

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