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Heimische Wildarten II: Rehwild

Rehwild

Das Reh (lateinischer Name: Capreolus capreolus) gehört zur Überordnung der Paarhufer und zur Familie der Cervidae, der Hirsche. Die Entwicklungsgeschichte des Rehs geht auf eine Gattung zurück, die vor circa 20-25 Millionen Jahren lebte. Vor circa 3 Millionen Jahren trennten sich die beiden Reh-Arten, die wir heute in Sibirisches Reh und Europäisches Reh trennen (auf Letzterem liegt in diesem Ratgeber der Fokus). Die Färbung des europäischen Rehs orientiert sich an der Jahreszeit: Im Sommer ist das Fell rotbraun, im Winter eher graubraun. Unterbauch und die Innenseite der Läufe sind in der Regel immer etwas heller. Der sogenannte Spiegel hebt sich von der restlichen Färbung des Rehs ab. Gemeint ist mit dieser Bezeichnung die Körperregion um den After des Tieres, die von weißer Farbe ist und sich so deutlich erkennbar abhebt. Der Wechsel von Sommer- zu Winterfell erfolgt im Zeitraum September-Oktober, der Wechsel zu Sommerfell von RehMärz bis April. Das Fell von Rehkitzen zeichnet sich durch eine weiße Punktierung auf dem Rücken aus, die ab einem Alter von einem Monat langsam undeutlicher wird. Mit einer Schulterhöhe von circa 54 bis 84 cm ist das Rehwild die kleinste Hirschart. Ausgewachsene Tiere werden beim Europäischen Rehwild bis circa 25 kg schwer. Bezogen auf die Körpermaße gibt es keinen großen Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern, das männliche Reh trägt allerdings im Gegensatz zum weiblichen ein Geweih. Rehe sind farbenblind und können Räumlichkeiten erschwert wahrnehmen. Trotzdem sind sie in der Lage, Bewegungen extrem genau zu registrieren. Gehör- und Geruchssinn sind ebenfalls bestens entwickelt.

Verbreitet ist Rehwild in weiten Teilen Europas und Asiens. Innerhalb Europas tritt es in praktisch allen Regionen, von Küstengebieten bis hin zu Hochgebirgen, auf. Lediglich in Irland und auf Korsika und Sardinien kommt es in Europa nicht vor. Das Sibirische Reh gilt nach aktuellen DNA-Analysen als eigenständige rezente Art und ist eng mit dem hier auftretenden Europäischen Reh verwandt. Im Vergleich ist das Sibirische Reh etwas größer als sein europäischer Verwandter. Die Fellfarbe ist insgesamt blasser, das Geweih kräftiger. Das Heimatgebiet der Sibirischen Rehe zieht sich über Kasachstan, durch Sibirien, über China bis nach Korea.

Lebensraum und Ernährung

Das Reh gilt als sogenannter Kulturfolger, d.h. es ist in der Lage in Gebieten zu leben, die stark von Menschenhand verändert worden sind oder kann sogar durch die landschaftsverändernden Maßnahmen des Menschen Vorteile erlangen. Gerade dank ihrer geringen Größe genügen Rehen bereits kleine Waldgebiete oder Hecken als ausreichende Deckung. Als Hauptlebensraum von Rehen fungieren die Randzonen von Busch- und Mischwäldern. Auch offene Feldfluren und stadtnahe Parks können bewohnt werden, die Nähe von menschlichen Siedlungen stört die Tiere in der Regel nicht. Genau wie das Wildschwein zeichnet sich auch Rehwild durch eine sehr hohe Anpassungsfähigkeit aus. Wichtig für das Reh sind unterwuchsreiche Lebensräume, die genügend Deckung bieten. Von landwirtschaftlichen genutzten Feldern durchzogene Waldgebiete, wie sie hier in Deutschland häufig vorkommen stellen optimale Lebensräume für Rehe dar. Rehwild kommt nicht nur in Tiefebenen vor, sondern kann auch in Höhenlagen von bis zu 3000 Metern auftreten. Oberhalb der Baumgrenze und in Regionen mit starken Wintern und somit länger andauernden Schneelagen treten Rehe allerdings eher selten auf, da die Nahrungsaufnahme sich hier schwieriger gestaltet. Untersuchungen haben außerdem herausgefunden, dass Rehe Gebiete mit hohem Dam-, Rot- oder Sikawildbestand meiden und von ihnen verdrängt werden. Wildschweinbestände beeinflussen das Rehwild-Aufkommen dagegen nicht negativ.

Das Reh ist ein Wiederkäuer und als solcher ein reiner Pflanzenfresser. Es frisst vor allem nährstoff- und energiereiche Pflanzenteile. Die Hauptnahrung besteht aus Wald- und Feldfrüchten, Blättern, Gräsern, Trieben und Kräutern. Zu den Pflanzen, die Rehe besonders häufig fressen, zählen unter anderem Efeu, Hainbuche, der Gemeine Hohlzahn, das Große Hexenkraut, die Hasel und die Heidelbeere. Agrarflächen können von Rehen ebenfalls zum Äsen genutzt werden. Sowohl Gerste, Weizen, Hafer und vor allem Raps gehören zu den landwirtschaftlich angebauten Pflanzen, die von Rehen bevorzugt geäst werden. Generell ist ein normaler Rehwildbestand keine große Gefahr für die Agrarwirtschaft. Größere Schäden können dagegen im Wald durch Reh-Verbiss und Verfegen entstehen.

Fortpflanzung und Gefährdung

Reh in WieseDie Paarungszeit der Rehe liegt in der Zeit von Juli bis Anfang August (die sogenannte Blattzeit). In dieser Zeit gibt die Ricke Fieplaute von sich, um den Bock zu rufen. Böcke lassen ihrerseits in der Brunftzeit raue, bellende Laute innerhalb ihres Gebietes erklingen. Die Tragezeit der Ricke beträgt circa 38 Wochen. In der Regel werden meist zwei Kitze geboren, die zum Zeitpunkt der Geburt in etwa ein Kilogramm wiegen. In den ersten Lebenstagen des Jungtieres legt die Ricke das Kitz an einer geschützten Stelle ab und besucht es nur zum Säugen und Säubern. So sollen die natürlichen Feinde nicht zu dem Kitz hingelockt werden, das zu Beginn seines Lebens noch gänzlich ohne Eigengeruch ist und daher perfekt getarnt ist. Das maximale Alter das ein Reh in etwa erreicht ist 15 Jahre. Rehe sind in den Wintermonaten meist in Gruppen unterwegs (auch Sprünge genannt). Im Frühling lösen sich diese Gruppierungen wieder auf bevor die Brunftzeit beginnt. Rehe zählen zum sogenannten Schlüpfertypus, d.h. sie suchen mit schnellen, kurzen Sprüngen im Unterholz oder im Wald Schutz, sobald sie Gefahr bemerken. Aufgrund ihrer geringen Größe sind Rehe größeren Gefahren ausgesetzt als zum Beispiel das verwandte Rotwild. Die wichtigsten Fressfeinde des Rehwildes sind der Rotfuchs, der Luchs und der Wolf, wobei die beiden letzteren Arten in Deutschland nicht verbreitet sind und bislang nur sehr vereinzelt vorkommen. Der Rotfuchs ist selten in der Lage ausgewachsene Tiere zu erbeuten, in den meisten Fällen konzentrieren sich Füchse auf Rehkitze. Deren Population wird von dem Vorhanden-Sein eines normal großen Fuchsbestandes deutlich zurückgehalten. Wildernde Hunde können ebenfalls eine große Gefahr für Rehe darstellen. Neben tierischen Feinden ist vor allem der Mensch eine Gefahr für das Reh. Mähwerkzeuge, die für die Ernte eingesetzt werden, werden jedes Jahr für zahlreiche Kitze, die von ihrem Muttertier im hohen Feld versteckt werden, zur tödlichen Gefahr. Gleiches gilt für den Straßenverkehr: Rehwild führt die Wildunfall-Statistik des Jahres 2014/15 mit ca. 180.000 registrierten Unfällen in ganz Deutschland deutlich an.

Jagd- und Schonzeiten

Der Rehbestand ist im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte stark angestiegen. Gerade der Rückgang der Rotwildbestände hat sich positiv auf die Zahl der Rehe in Deutschland ausgewirkt. In den Gebieten in denen Rotwild wieder vermehrt auftritt oder extra angesiedelt worden ist, ist auch ein Rückgang des Rehwildes zu beobachten. Der Rehbestand ist hierzulande nicht gefährdet. Eine kontrollierte, der Hege entsprechende Jagd ist wichtig, um den Rehbestand unter Kontrolle zu halten und zu starken Schäden im Wald durch Verbiss oder Verfegen vorzubeugen. Im Jagdjahr 2015/16 wurden in Deutschland circa 1.100.000 Stück Reh erlegt. Im Bundesjagdgesetz werden die Jagd- und Schonzeiten für Rehe aufgeteilt in separate Zeiten für Kitze, Schmalrehe (weibliches Reh im 2-Lebensjahr, das keine Jungen hat), Ricken und Böcke. Kitze dürfen vom 1. September bis zum 28. Februar gejagt werden, Schmalrehe vom 1. Mai bis zum 31. Januar, Ricken vom 1. September bis zum 31. Januar und Böcke vom 1. Mai bis zum 15. Oktober. In den einzelnen Bundesländern können diese Zeiten variieren, vor allem die Jagdzeit von Rehkitzen ist vielfach nur bis zum 31. Januar erlaubt.

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