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Heimische Wildarten I: Schwarzwild

Wildschweine

Das Wildschwein (lateinischer Name: sus scrofa) gehört zur Ordnung der Paarhufer und zur Familie der echten Schweine. Es gilt als Vorfahr unseres Hausschweins und ist der einzige wildlebende Vertreter der Familie der Schweine innerhalb Europas. Erste Nachweise für eine Domestikation des Tieres finden sich um ca. 7000 v. Chr. Größe und Gewicht des Tieres können je nach Region stark schwanken, als Faustregel gilt hier, dass die Körpermasse innerhalb des Verbreitungsgebietes von Südwesten nach Nordosten zunimmt. In Deutschland beheimatete Wildschweine werden zwischen 130 und 180 cm lang und können bis zu 150 Kilo schwer werden. Das dichte Fell der Tiere setzt sich aus borstigen Deckhaaren und feinen Wollhaaren zusammen. Im Sommer ist es meist braun-schwarz gefärbt, im Winter dagegen fast ausschließlich schwarz; daher auch die Bezeichnungen Schwarzwild und Schwarzkittel. Frischlinge zeichnen sich durch mittelbraunes Fell aus, das durch vier bis fünf helle Längsstreifen unterbrochen wird. Besonders die männlichen Tiere, auch Keiler genannt, verfügen meist über stark ausgeprägt Eckzähne, die zu einer großen Gefahr für andere Tiere und den Menschen werden können. Die Eckzähne eines Keilers krümmen sich aufwärts, haben im Zusammenspiel mit anderen Tieren eine Imponierfunktion und können oft bis zu 10 cm aus dem Kiefer ragen. Weibliche Wildschweine, genannt Bachen, sind allgemein etwas kleiner und leichter als Keiler; ihre Zähne ragen nur in Ausnahmefällen und bei älteren Tieren aus dem Kiefer heraus.

Lebensraum und Ernährung

Ursprünglich ist das Wildschwein lediglich in Europa, einzelnen Gebieten in Nordafrika und weiten Teilen Asiens verbreitet gewesen. Durch den Menschen wurde es allerdings immer weiter verbreitet, unter anderem in Nord-, Mittel-, Südamerika und Australien. Schwarzwild ist extrem anpassungsfähig und besiedelt dementsprechend sehr unterschiedliche Lebensräume. Sowohl in Tropenregionen als auch in den gemäßigten Breiten fühlen sich die Paarhufer zu Hause. Obwohl man es ihnen vielleicht nicht ansieht sind Wildschweine auch hervorragende Schwimmer und so in der Lage dem Festland vorgelagerte Inseln zu besiedeln. Innerhalb Mitteleuropas werden die Klimabedingungen dank der Erwärmung immer positiver für die Wildschweinbestände. Bevorzugter Lebensraum für Wildschweine sind Laub- und Mischwälder, die nicht nur ein Übermaß an Nahrung, sondern auch viel Deckung bieten. Auch auf offenen Feldfluren fühlen sich die Schwarzkittel aber wohl, solange genügend Nahrung auf dem Acker verfügbar ist. Sie sind außerdem auf Wasserstellen zum trinken und suhlen angewiesen. Wildschweine gehören nicht zu den scheusten Tieren. Auch wenn sie generell Menschen eher meiden, tauchen sie in Stadt- und Dorfgebieten doch auch immer wieder in den Vorgärten auf.

Wildschweine sind Omnivoren, also Allesfresser. Auf der Suche nach Nahrung durchwühlen sie den Boden nach Nahrung und pflügen so den gesamten Boden um. Durch diese Art der Nahrungssuche richtet Schwarzwild hierzulande enorme Wildschäden in den Feldern der Landwirte an. Die Ernährung der Schwarzkittel umfasst pflanzliche Nahrung wie Gras, Knollen, Wurzeln, Samen und Früchte, aber auch tierische Nahrung wie Insekten, Würmer, Aas und sogar Mäuse und gelegentlich Jungtiere (z.B. Kaninchen). Die Früchte von Eichen und Buchen nehmen eine besondere Rolle in der Ernährung der Schwarzkittel ein. In Jahren, in denen diese Früchte nicht genug Frucht tragen, sind die Schäden in der Landwirtschaft durch Wildschweine in der Regel besonders hoch.

Fortpflanzung und Gefährdung

Wildschwein FrischlingeBei guten Nahrungsbedingungen sind Wildschweine ab dem ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Ihre Paarungszeit, genannt Rausche, liegt zwischen November und Dezember. Je nachdem wie gut die Nahrungsbedingungen sind können Bachen allerdings auch wesentlich länger paarungsfähig sein. Die Bache trägt etwa 4 Monate und wirft in der Regel bis zu 8 Frischlinge, die ca. 3 Monate gesäugt werden müssen. In der Zeit nach der Geburt duldet die Bache keine Artgenossen in ihrer Nähe. Zu diesem Zeitpunkt legt das Muttertier auch die Scheu vor dem Menschen komplett ab und greift an, sobald jemand ihrem Wurf zu nahe kommt. Die Setzzeit von Wildschweinen ist relativ früh im Jahr was zwangsläufig zu einer höheren Verlustrate bei den Frischlingen führt. Das Schwarzwild passt sich dementsprechend mit einer erhöhten Vermehrungsrate an. Während Wildschweine in Gefangenschaft ein recht hohes Alter erreichen können, werden sie in freier Wildbahn selten älter als 6-8 Jahre. Erwachsene Keiler sind meist als Einzelgänger unterwegs. Die Jungtiere und ihre Bachen leben allerdings in Familienrotten zusammen. Nur zur Zeit der Geburt sondert sich Bache von der Rotte ab.

Das Wildschwein wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als nicht gefährdete Art geführt. Es ist gerade im Verbreitungsgebiet Mitteleuropa immer weniger lokalen Gefahren ausgesetzt und kann sich praktisch ungehindert verbreiten. Raubvögel sind vereinzelt in der Lage Jungtiere zu schlagen. Die hier ansässigen Prädatoren spielen allerdings nur eine untergeordnete Rolle als Beutegreifer. Füchse jagen im Normalfall höchstens zurückgelassene Jungtiere. Der langsam nach Deutschland zurückkehrende Wolf könnte sich als ernstzunehmender Beutegreifer für Wildschweine etablieren, da Wildschweine für ihn, je nach Lebensraum, eine Hauptbeute darstellen. Generell fehlen gerade hier in Deutschland allerdings natürliche Feinde der Schwarzkittel.

Jagd- und Schonzeiten

Dank günstigen Klimabedingungen und einem hohen Äsungsangebot hierzulande steigt die Zahl der Wildschweine in Deutschland stark an. Viele Frischlinge sterben in den ersten Lebenswochen aufgrund von Krankheiten oder der feuchtkalten Witterung. Auch im Straßenverkehr sterben mehrere tausend Wildschweine jedes Jahr. Diese Einschränkungen reichen allerdings nicht aus, um die Zahl der Schwarzkittel unter Kontrolle zu halten. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate und dem hohen Bestand ist eine scharfe Bejagung der Wildschweine notwendig. Gerade in der Landwirtschaft führen zu hohe Schwarzwild-Bestände zu enormen Schadenssummen. Eine intensive Bejagung ist auch zur Eindämmung der tödlich verlaufenden Viruserkrankung der Schweinepest dringend notwendig. Im Jagdjahr 2015/16 wurden in Deutschland ca. 600.000 Stück Schwarzwild erlegt.

Die laut Bundesjagdgesetz ist die offizielle Jagdzeit für Schwarzwild vom 16. Juni bis zum 31. Januar. Ganzjährig jagdbar sind lediglich Frischlinge und Überläufer. Diesen Jagd- und Schonzeiten folgen die Bundesländer Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und dem Saarland ist Schwarzwild ganzjährig jagbar. In den restlichen Bundesländern gibt es gesonderte Jagd- und Schonzeiten und zum Teil Sonderregelungen für die Bachen.

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