Schalldämpfer für Waffen

 

Schalldämpfer sind eine Vorrichtung, die den Lärm bei Schüssen in Form des Knalls an der Mündung reduzieren. Allerdings wir der Schall dabei nicht vollständig geschluckt, wie man es aus Filmen kennt. Vielmehr gibt es dennoch einen Knall, der allerdings wesentlich weniger gesundheitsgefährdend ist.

 

Wie funktionieren Schalldämpfer?

Schalldämpfer reduzieren nicht die Luftmengen, die bei einem Schuss an der Mündung austreten, sondern verlangsamen diese nur, indem sie die Luft auf Umwegen zum Ausgang schicken und den Druck verringern.

Der Knall der normalerweise bei einem Schuss entsteht, wird durch die plötzlich frei werdenden und an der Mündung austretenden Gase erzeugt - vergleichbar mit einem plötzlich platzenden Luftballon.

Um die Lautstärke des Knalls zu reduzieren, muss man daher die Geschwindigkeit, mit der die Luft austritt, reduzieren. Das erreichen Schalldämpfer dadurch, dass sie wesentlich breiter sind als der Gewehrlauf davor und somit einen Raum bieten können, in dem sich die Luft ausbreiten kann. Es kommt zu Verwirbelungen der Luft, weshalb diese langsamer, unter geringem Druck und damit auch leiser austritt. Völlig geräuschlos ist das aber nicht. Das ist auch hier wie bei einem Luftballon: Lässt man die Luft langsam entweichen, geschieht das auch nicht geräuschlos, aber dennoch wesentlich leiser als bei einem plötzlichen Knall.  

 

Technische Effekte von Schalldämpfern

 Durch die Schalldämpfer werden die Geschosse weniger durch Turbulenzen an der Mündung der Waffe beeinflusst. Die Verwirbelungen werden mit Schalldämpfer auf einen größeren Raum gestreckt und verlangsamt. Das führt dazu, dass sich beim Einsatz von Schalldämpfern  die Präzision des Schusses erhöht.

Hinzu kommt, dass das ausbleibende Mündungsfeuer dazu führt, dass der Jäger die Gelegenheit hat, sehr schnell einen zweiten Schuss abzugeben, weil er nicht mehr geblendet wird. Gerade in der Nacht oder der Dämmerung bildet das einen großen Vorteil. Die Dämpfung des Schalls ist zudem beim zweiten Schuss um zusätzliche sechs Dezibel verringert. 

Durch Schalldämpfer werden die Geschosse aufgrund der austretenden Luft hinter der Patrone sogar beschleunigt.

Während der Rückstoß stark reduziert wird, weil die Luft hinter der Mündung nicht mehr so stark zurück drückt.

Allerdings verlagert ein Schalldämpfer die Treffpunktlage nach unten. Denn das Eigengewicht der Schalldämpfer wirkt sich auf den vordersten Punkt am Gewehr aus und drückt diesen hinunter. Im Schnitt liegt der Treffpunkt dann im Vergleich zu vorher um 5 cm tiefer.

Einfache Schalldämpfer haben einen weiteren Nachteil: Sie vergrößern die Länge des Gewehrs erheblich. Daher wurde eine weitere Form entwickelt: Der Reflex-Schalldämpfer. Er wird teilweise über dem Gewehrlauf angebracht, sodass der Schalldämpfer das Gewehr weniger stark verlängert. Außerdem reduziert er den Rückstoß erheblich.  

 

Aus welchem Material werden Schalldämpfer hergestellt?

Soll der Schalldämpfer robust und günstig sein, bietet sich Stahl als Material an. Es ist beständig bei heißen Verbrennungsgasen und sehr stabil auch bei mechanischen Einwirkungen. Allerding ist Stahl rostanfällig und ein Schalldämpfer aus Stahl wiegt mindestens ein halbes Kilo. Das macht den Transport unangenehmer und wirkt sich vor allem deutlich auf die Treffpunktlage aus. Schalldämpfer aus Stahl sind recht günstig in der Anschaffung. 

Teurer sind dagegen aufgrund ihrer aufwändigen Fertigung Schalldämpfer aus Titan. Diese sind besonders robust und wiegen nur ca. halb so viel wie Schalldämpfer aus Stahl. Dafür kosten diese Schalldämpfer mindestens 800 €.

Genauso leicht sind Schalldämpfer aus Aluminium. Auch sie sind recht robust, kosten aber deutlich weniger als die Schalldämpfer aus Titan – sie liegen meistens in etwa in der Preisklasse von Stahl-Schalldämpfern im Bereich um die 400 €, wobei die Stahl-Schalldämpfer auch teilweise bis zu 700 € teuer werden können. Da die Aluminium-Schalldämpfer sehr anfällig für Erosion sind, sollte deren Blendenbohrung besser aus Stahl sein. 

Die Blendenbohrung am Schalldämpferausgang sollte ohnehin optimal angepasst werden. Denn eine zu große Öffnung verstärkt die Verwirbelungen am Ausgang. Eine zu kleine aber bringt die Gefahr mit sich, dass sie bei nicht optimaler Flucht von Gewehrlauf und Schalldämpfer beim Austritt die Blende touchiert und der Schalldämpfer somit beschädigt wird.

Schalldämpfer aus allen genannten Materialien benötigen keine besondere Reinigung und halten richtig aufgesetzt quasi unbegrenzt.

 

Wie ist die rechtliche Lage?

Während in Skandinavien Schalldämpfer Standard beim Verkauf von Waffen sind, ist die Frage nach der Legalität von Schalldämpfern bei der Jagd in Deutschland schon lange eine strittige.

Grundsätzlich ist es im Privaten aktuell gar nicht erlaubt Schalldämpfer zu nutzen. Ein Schalldämpfer steht juristisch gesehen auf einer Ebene mit einer Waffe. Das bedeutet, dass ohne eine vorherige Eintragung einer Erwerbserlaubnis durch die Behörde in die Waffenbesitzerkarte keine Schalldämpfer gekauft werden dürfen.

Die Behörden geben die Zulassung, die in der Waffenbesitzkarte hinterlegt werden muss, nur in seltenen Fällen. Ansonsten wird diese mit Verweis auf die Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit abgelehnt.

In Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Nutzung von Schalldämpfern bei der Jagd durch das Landesjagdgesetz untersagt.

In Niedersachsen soll dieses Verbot aber noch in dieser Legislatur aufgeboben werden. Darauf einigten sich die Regierungsparteien SPD und Grüne.

Beruflich Schießende oder Jagende dürfen in Deutschland jedoch teilweise einen Schalldämpfer besitzen, weil bei ihnen der Einsatzzweck und das „besondere Interesse“ als glaubhaft angenommen werden. Dazu gab es beispielsweise entsprechende Urteile in Hessen. Auch das Bundesarbeitsministerium hat in Hinblick auf den Arbeitnehmerschutz für eine Legalisierung von Schalldämpfern für beruflich Jagende geworben, aber gleichzeitig darauf hingewiesen, dass dies die Zuständigkeit der Länder trifft. Somit ist das jeweilige Landesjagdgesetz für die Zulassung ausschlaggebend. In Deutschland gibt es daher auch für beruflich Jagende keine grundsätzliche Erlaubnis zum Erwerb von Schalldämpfern.

 

Mögliche Bewegung in der Rechtslage

Als erstes Bundesland hat Bayern die Rechtslage zum Verbot von Schalldämpfern liberalisiert.

In einem Schreiben des bayerischen Landwirtschaftsministeriums an die unteren und höheren Jagdbehörden, werden diese dazu angehalten, Anträge auf Genehmigung von Schalldämpfern für den jagdlichen Gebrauch ab sofort positiv zu bescheiden. Damit bleiben Schalldämpfer zwar grundsätzlich verboten, die Anzahl der Ausnahmen (ausgeweitet auf alle Jäger) wird aber entscheidend vergrößert. Grund dafür, die Jäger zum Kreis der für den Gebrauch von Schalldämpfern Berechtigten hinzuzuziehen, war für das bayerische Landwirtschaftsministerium das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, das aufgrund der vermeidbaren Beeinträchtigung des Hörvermögens gefährdet wird.  

Die Entscheidung entstand dann aus einer Abwägung im Ministerium zwischen persönlichen Interessen des Jägers (Gesundheit) und der allgemeinen Sicherheit und Ordnung. Ein dazu angefordertes Gutachten des Bundeskriminalamtes ergab, dass durch die Erlaubnis von Schalldämpfern für Jagdlangwaffen keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit entsteht. Schalldämpfer bleiben jedoch auch weiterhin erlaubnispflichtig, das heißt der Jäger muss die Erlaubnis bei der unteren Jagdbehörde beantragen und erhält die Erlaubnis in die WBK eingetragen.

Es steht zu erwarten, dass nun neue Bewegung in die Diskussion um die Legalisierung von Schalldämpfern für den Jagdgebrauch in anderen Bundesländern kommt.

 

Der gesundheitliche Aspekt

Allerdings führt die Geräuschbelastung beim Schießen auf der Jagd einerseits zu erheblichen gesundheitlichen Schäden und verscheucht andererseits die Tiere. 

Untersuchungen ergaben, dass bei einer gewöhnlichen Schuss mit der Büchse von den ca. 170 Dezibel an der Mündung noch immerhin 150 bis 160 Dezibel Schalldruck am Ohr des Schützen ankommen. Dazu muss man wissen, dass die Schmerzgrenze schon bei 130 Dezibel liegt!

Mit einem Schalldämpfer kann diese Belastung um 25-35 Dezibel gesenkt werden.

Dementsprechend kommen dann nur noch etwa 120 Dezibel am Ohr des Schützen an, was eine deutliche Erleichterung der Schallbelastung darstellt.

Neben dem Gehör des Menschen wird auch das des Jagdhundes geschont. Dazu verringert sich der Rückstoß der Waffe. Reguläre Ohrschützer für Menschen sind zudem gerade bei der Nachsuche hinderlich und können im Dickicht schnell vom Kopf gerissen werden.

Teilweise ist es dagegen mit dem Schalldämpfer sogar möglich ohne Gehörschutz zu jagen.

 

Schalldämpfer kaufen

Hersteller von Schalldämpfern sind beispielsweise Ase Utra, A-Tec, Hausken und Stalon. 

Der Hausken JD 224 dämpft um 31-37 db, kostet dafür aber auch ab 475 €. Der Hausken JAKT JD 184 Schalldämpfer für ca. 400 € dämpft um 29-31 db, lässt sich aber mit dem entsprechenden Zerlegewerkzeug (Kosten: ca. 30€) auseinanderbauen und reinigen. Der Aimsport Aimzonic Triton 50 (Der Preis liegt bei etwa 370 €.) hat den besonderen Reiz, dass er den Lauf kaum (nur um 11 cm) verlängert, aber dennoch eine gute Dämpfleistung von 26-28 db hat. Denn er wird nicht nur vor den Lauf gesetzt, sondern umschließt ihn zu einem großen Teil. Damit gibt es einen ausreichend großen Raum für den Druckausgleich, ohne dass der Lauf entsprechend stark verlängert wird. Genauso funktioniert der Stalon compact, der die Waffe nur um 14 cm verlängert, aber um 25 db dämpft. Er kostet 340 €.

Mit dem CMM4 Alu hat A-Tec einen besonders leichten Schalldämpfer gebaut. Er dämpft um 20-25 db, kostet 289 € und ist mit seinen 220 g um 100-150 g leichter als durchschnittliche Schalldämpfer für Langwaffen. 

 

Was sollte man sonst noch beachten?

Zu den Anschaffungskosten (abhängig von Hersteller und Material) kommt noch der Preis für die Installation des Mündungsgewindes in Höhe von 150-250 €, sofern das Gewehr nicht bereits über ein Gewinde vefügt.

Die Wahl des richtigen Gewindes sollte der Büchsenmacher treffen. Die Laufstärke sollte aber mindestens um anderthalb Millimeter größer als das Gewinde sein. Es ist sinnvoll, den Schalldämpfer bei dem Büchsenmacher vorzulegen, der das Gewinde bohrt, damit es nicht im Nachhinein zu Ärger kommt. 

Nachdem ein solches Gewinde angebracht worden ist, muss die Waffe allerdings erneut beim Beschussamt vorgelegt werden. 

Jede Waffe, die neu hergestellt wird, muss in Deutschland dem Beschussamt vorgelegt werden. Dies prüft, ob die Waffe einen ordnungsgemäßen Schuss abgibt und es nicht zu Explosionen kommen kann. Sobald die Waffe vom Beschussamt geprüft worden ist, darf sie an die Händler und Verbraucher abgegeben werden. Gewöhnlich hat der Käufer selbst mit dem Beschussamt daher nichts zu tun. Die Ausnahme stellen Veränderungen an den schussrelevanten Teilen wie in diesem Fall dem Lauf dar. In diesem Fall muss die Waffe erneut beim Beschussamt vorgelegt werden. Anders ist das beispielsweise bei der Anbringung einer Zielfernrohrmontage. Da diese kein Teil im unmittelbaren Zusammenhang mit der Schussabgabe betrifft, wird hier keine erneute Prüfung durch das Beschussamt nötig.  

Der Schalldämpfer allein reicht aber noch nicht aus. Schalldämpfer wirken sich nur auf die Luftmassen an der Mündung aus. Sie verhindern nur den Mündungsknall – also das Geräusch, das wir wahrnehmen, wenn sich Luftmassen in sehr kurzer Zeit sehr schnell bewegen. 

Die Geschosse selber verursachen aber einen weiteren Knall, weil sie schneller als die Schallgeschwindigkeit fliegen. Um diesen Knall zu unterbinden, benötigt man zusätzlich Unterschallmunition. 

Verwendet man Schalldämpfer mit dieser Subsonic-Unterschallmunition, wird der Schussknall weiter reduziert und kommt dem leisen Klacken, wie man es im Film beim Einsatz von Schalldämpfern erlebt, gleich. Jedoch erfüllt die meiste Subsonic-Munition aktuell nicht die erforderliche Mindestjouleleistung für die Jagd auf Schalenwild.

Die Mindestjouleleistung beschreibt die Energiemenge, die beim Aufprall auf das Wild mindestens vom Geschoss erreicht werden muss. Diese ist im Bundesjagdgesetz festgelegt und es ist verboten, sie zu unterschreiten. Für den Fangschuss mit Pistole oder Revolver liegt diese bei 200 Joule, für den Schuss mit der Büchse auf Rehwild ist ein Minimum von 1000 Joule und auf sonstiges Schalenwild von 2000 Joule vorgeschrieben.

 

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