Jagdmesser Ratgeber

Das Jagdmesser ist für Jäger ein unverzichtbares Hilfsmittel. Es wird in erster Linie für das Bearbeiten beispielsweise von erlegtem Wild genutzt.

Es kann aber auch zum Töten benutzt werden, wenn das Tier noch am Leben ist. Verbreiteter ist für das Abfangen aber der Gebrauch einer Schusswaffe. In vielen Situationen ist es jedoch sicherer, das Wild mit einem Jagdmesser abzufangen, um keine Personen und auch nicht die Jagdhunde durch einen Querschläger zu gefährden. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn unübersichtliches Gelände den Einsatz einer Schusswaffe nicht erlaubt oder wenn keine geeignete Waffe mitgeführt wird. Beispielsweise bei Wildunfällen wird häufig das Jagdmesser zur tierschutzgerechten Erlegung des angefahrenen Wilds verwendet.

Es könnte zwar grundsätzlich auch auf der Jagd jedes Messer verwendet werden, Jagdmesser sind jedoch auf die besonderen, unterschiedlichen Anforderungen bei der Jagd besser angepasst.

Die Klingen von Jagdmessern sind in der Regel zwischen 10 und 15 cm lang.

Ein rutschfester Griff ist besonders wichtig bei Jagdmessern, daher werden die Griffe meist aus Holz, Kunststoff oder Hirschhorn gefertigt.

 

Unterschiedliche Qualität und Merkmale von Material bei Klinge und Griff von Jagdmessern

Die Klingen von Jagdmessern sind in der Regel aus Stahl. Damit sie sich gut schleifen lassen und das Material nicht spröde wird, sollte der Härtegrad bei Edelstahl (meist 420er oder 440er)  des verwendeten Stahls zwischen 57 und 60 liegen. Edelstahlklingen sind kaum korrosionsanfällig und rosten erst unter extremen Bedingungen. Klingen aus Carbonstahl (in der Regel C 60 – C 105) sind auch bei starken Belastungen besonders widerstandsfähig und bleiben lange scharf. Dafür sind sie anfälliger für Rost und Korrosion.

Es gibt davon abgesehen auch noch Jagdmesser aus Titan, diese sind aber seltener.

Damast Jagdmesser sind aus besonderem Damaststahl gefertigt. Damast kommt aus dem Arabischen und bedeutet wässrig oder fließend. Den Namen haben diese Messer also  vermutlich von den wellenartigen Gravierungen auf den Klingen, die an einen See oder das Meer erinnern. Diese Klingen werden überall in der Welt hergestellt und sind rostfrei und besonders robust. Sie werden aus mehreren Lagen unterschiedlicher Materialien hergestellt. Das führt dazu, dass diese klingen langfristig widerstandsfähig bleiben.

Besonders ausgefeilte Damast Jagdmesser gelten als teure Sammlermesser, auch weil die Klingen neben ihrer Funktionalität optisch sehr ansprechend sind. Einfache Varianten sind dagegen schon relativ günstig zu kriegen.

Als Material für den Griff ist Hirschhorn am beliebtesten: Es ist zum einen optisch ansprechend und bietet zum anderen eine gute Grifffestigkeit in der Hand. Auch Kunststoffgriffe sind praktisch in der Handhabung und gleichzeitig leicht zu reinigen. Außerdem sind farbige Griffe, wenn es beim Messer vor allem auf die Funktionalität ankommt, zu empfehlen, weil sie sich leicht Geäst wiederfinden lassen.

 

Verschiedene Messertypen je nach Einsatzzweck

Es gibt zwei Haupttypen unter den Jagdmessern: Klappmesser und feststehende Jagdmesser.

Der Vorteil von feststehenden Messern liegt vor allem in ihrer Stabilität. Außerdem sind sie leichter zur reinigen, Klappmesser lassen sich dafür sicherer und handlicher verstauen. Dazu haben Klappmesser meist mehrere Klingen, sodass sie angepasst an die Erfordernisse gewechselt werden können.

Meist haben Jäger aufgrund der Spezialisierung sogar zwei Messer dabei. Das eine wird zur Tötung von angeschossenem Wild genutzt. Dafür gibt es zwei Techniken: das Abnicken (Hierbei wird hinter dem Schädel ins Rückenmark gestochen.) und das Abfangen (Das Wild wird durch einen Stich ins Herz oder in die Brust getötet.). Das zweite Jagdmesser wird dann zum so genannten Aufbrechen verwendet. Darunter versteht man das Entfernen der Organe und Eingeweide. Dieses Messer wird dann häufig auch zum Häuten und Zerlegen des Wilds eingesetzt. Soll das Tier aber direkt in der Natur zerlegt werden, werden dafür oft noch spezielle Abhäute- und Zerlegemesser mitgeführt. Dann nimmt der Jäger diese meist gesammelt als Waidbesteck alle in einer Scheide mit.

Das Jagdmesser zum Aufbrechen hat eine gekrümmte Klinge und eine Spitze, die stumpf ist, um die Innereien beim Aufschneiden nicht zu verletzen. 

Zwei Sondermodelle unter den Messern sind das Waidblatt und der Hirschfänger. Das heute nur noch wenig genutzte Waidblatt ist auffällig groß – in der Regel hat es eine Klingenlänge von ca. 30 cm. Die Klinge ist sehr breit und schwer. Da es zudem einerseits einen leicht abgerundeten Rücken und einen stark abgerundeten Bauch besitzt, ist es vielfältig einsetzbar. Es kann mit ihm Wild abgefangen und Buschwerk durchtrennt werden. Aber das Waidblatt kann neben anderen Jagdmessern auch den Hirschfänger ersetzen. 

Dieser hat eine noch größere, nämlich 40 bis 70 cm lange Klinge. Der Hirschfänger wurde früher zum Abfangen von Wild und kleinen Wildschweinen genutzt, ist heute aber eher als dekorativer Teil der Jagduniform verbreitet. Denn seine schmale Klinge hat beim Abfangen den Nachteil, dass bei einem nicht exakt genauen Stich nicht ausreichend viele Organe verletzt werden, um einen schnellen Tod des Wilds zu verursachen. 

Den wichtigsten Unterschied in der Art der Jagdmesser macht die Form der Klingen. Dabei gibt es diverse unterschiedliche Formen:

Die Drop-Point-Messer sind am beliebtesten bei den Jägern. Ihre Klingen haben einen leicht nach außen gebogenen (konvexen) Rücken. Dieser verläuft zunächst grade und fällt dann im letzten Viertel nach unten ab – daher auch der Name „drop point“.

Durch diese Form ist die Spitze der Klinge genau auf der mittleren Achse der Klinge, weshalb sich die Kraft optimal übertragen lässt. Dadurch ist auch die Kontrolle über die Führung des Jagdmessers in besonderem Maße gegeben.

Drop-Point-Messer haben zudem eine sehr breite Spitze, weshalb sie stabiler sind, gleichzeitig büßen sie aber an Schärfe ein. 

Jagdmesser mit einer solchen Drop-Point-Klinge sind zudem auch relativ ungefährlich für im Umgang mit Jagdmessern unerfahrene Personen.  

Eine weitere verbreitete Variante sind Jagdmesser mit Clip-Point-Klinge.

Diese Clip-Point Jagdmesser gibt es in zwei Varianten – entweder mit vollständig gradem oder leicht konkav geformtem Rücken. Die Spitze des Jagdmessers ist leicht nach oben zum Messerrücken gezogen und sehr dünn geformt. Das Jagdmesser ist daher in erster Linie für Stichbewegungen, aber auch als Allrounder geeignet. Das Jagdmesser lässt sich im Allgemeinen sehr gut kontrollieren.  

 

Die Skinner Klinge verläuft konstant konvex und hat damit eine sehr lange Schneidefläche. Sie ist daher sehr gut zum Häuten von Tieren geeignet. Denn hier kommen lange ziehende Bewegungen zum Einsatz. Für Stiche ist diese Art der Klinge allerdings ungeeignet.

 

Wie wähle ich das richtige Jagdmesser aus?

Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Jagdmessers ist, wie es sich reinigen lässt.

In der Regel geht dies unter fließendem Wasser oder mit einem feuchten Tuch. Jagdmesser mit Kunststoff- oder Edelstahlgriff vertragen auch Spülmittel in geringen Dosierungen. Es gibt auch spezielle Reinigungsmittel für Jagdmesser, die gleichzeitig als Pflege dienen. Bei Klappmessern kann es vorkommen, dass sich Verschmutzungen schlecht aus den Ritzen entfernen lassen.

Wird das Jagdmesser längere Zeit nicht genutzt, sollte es eingeölt werden, um Risse und Abnutzung zu vermeiden.

Ein gutes Jagdmesser sollte außerdem nicht zu schwer sein, denn man muss es eine Zeit lang mit sich herumtragen, aber genauso wenig zu leicht, denn dann lässt sich ein Schnitt nicht sauber führen, bzw. die Kraftübertragung nicht angemessen dosieren.

Außerdem sollte das Jagdmesser gut in der Hand liegen, was man aber nur herausfinden kann, indem man es ausprobiert. Es sollte dabei nicht zu dünn sein, damit man nicht zu viel Kraft darauf aufwenden muss, es gut festzuhalten.

Wird das Jagdmesser zum Aufbrechen von Tieren benutzt, sollte es einen Handschutz haben. Sonst ist die Verletzungsgefahr beim Abrutschen sehr groß. 

Ebenso sollte beim allen Formen von Klappmessern darauf geachtet werden, dass sie einen zuverlässig einrastenden Klappmechanismus haben. Denn versagt dieser, kann man sich schwere Verletzungen an den Fingern oder der ganzen Hand zufügen.

Es gibt diverse Hersteller für Jagdmesser, darunter unter anderem Puma, Outdoor Edge, Marttiini, Böker, Diefenthal, Dictum und Parforce. Besonders hochwertige Jagdmesser kann man bei Mauser, Sauer und Blaser kaufen.

Welche Jagdmesser lassen sich also konkret empfehlen? Das kommt einerseits auf die Preisklasse und andererseits darauf an, ob es ein Klappmesser oder eines mit fester Klinge sein soll:

Das Extrema Ratio Selvans ist ein feststehendes Jagdmesser der sehr hohen Preiskategorie für ca. 600 €. Es hat insgesamt eine sehr robuste Klinge aus hochwertigem Stahl und ist an der Spitze so massiv, dass auch hier kein Abbrechen droht. Auch wurden die Fingermulden so gefertigt, dass es sehr gut und sicher in der Hand liegt. Für die Reinigung lässt sich das Jagdmesser durch das Lösen von zwei Schrauben leicht auseinander nehmen, was eine leichte und gründliche Säuberung ermöglicht. Allerdings ist das Zubehör recht übersichtlich.

Für ca. 200 € erhält man das MSP Drop-Point ebenfalls feststehend. Es besteht aus S90 Stahl, hat für besseren Grip einen Milleron-Griff und hat ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Außerdem besitzt es die oben beschriebene praktische Droppoint-Klinge.

Ontario Rat 1 Folder ist ein Klappmesser für ca. 50 €. Es hat zwar eine weniger stabile Spitze, aber ist ansonsten stabil und relativ scharf.

Für 150 € gibt es ebenfalls als Klappmesser das Benchmade 950 Rift, das einen Härtegrad von ca. 60 hat. Es lässt sich leicht mit einer Hand öffnen und verriegelt aber im geöffneten Zustand sicher. 

Speziell zum Aufbrechen von Wild gibt es von BlackFox eine praktische Aufbruchsäge. Sie hat eine 7,5 cm lange Sägeklinge aus Edelstahl und einen praktischen Handschutz.

Dabei wiegt sie etwa 120 g und ist bereits für etwa 25 € erhältlich. 

 

Wie halte ich mein Jagdmesser scharf?

Da auch robuste Jagdmesser regelmäßig geschliffen werden müssen, ist es sinnvoll sich für zu Hause einige Schleifsteine anzulegen. Denn zum Schärfen des Jagdmessers braucht es verschiedene Schleifsteine. 

Die Prozedur nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, ist aber sonst recht leicht durchführbar. Zunächst wird, wenn das Jagdmesser heftigere Abriebspuren hat oder extrem stumpf ist, mit einem groben Schleifstein vorgeschliffen, um eine erste Basis zu haben. Ist das erledigt oder waren keine heftigeren Beschädigungen vorhanden, kann es losgehen.

Dazu nimmt man einen mittleren Schleifstein und schleift im gewünschten Winkel, bis sich auf der anderen Klingenseite ein entsprechender Grat wölbt. Dann wechselt man auf die andere Klingenseite.

Als nächstes wählt man einen noch feineren Schleifstein. Hieran schleift man aber nur noch die Schneidekante selbst.

Anschließend wird der durch das Schleifen entstandene Grat (eine leichte Aufwölbung) entfernt, indem man von beiden Seiten in Schneiderichtung sanft am feinsten Schleifstein das Jagdmesser entlang zieht.

Danach wird das Messer an einem Lederriemen mit Polierpaste abgezogen, was den letzten feinen Grat entfernt.

Zuletzt sollte die Messerscheide immer in passender Größe zur Messerklinge gewählt werden. Ist die Messerscheide nämlich zu klein, kann das Jagdmesser unbemerkt herausrutschen und verloren gehen. Wenn sie andererseits zu klein gewählt wird, kann ein scharfes Jagdmesser sie durchschneiden und unbrauchbar machen.

 

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Tags: Jagdmesser, Jagd
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