Der Einsatz von Nachtsichtgeräten bei der Jagd

Nachtsichtgeräte sind solche Orientierungshilfen, die mit einem elektronischen Bildverstärker oder selten auch mit einem elektronischen Bildwandler ausgestattet sind.

Nachtsichtgeräte gibt es als einfaches handgehaltenes Gerät oder als Nachtsichtbrille,  die man sich um den Kopf schnüren kann. Beides wird nicht montiert und besitzt auch kein Absehen.

Wird das Nachtsichtgerät durch Montage an dem Gewehr befestigt, wird es als Nachtzielgerät bezeichnet und ist dann normalerweise auch mit einem Absehen ausgestattet. Diese sind in Deutschland jedoch verboten. Nur Vorsatzgeräte mit BKA-Bescheid dürfen überhaupt  erworben werden, diese dürfen jedoch nicht auf Zielfernrohre, sondern lediglich auf Ferngläser, Spektive und Ähnliches montiert werden.

Nachtsichtgeräte gibt es in Form von Mon- und Binokularen. Durch die Binokulare sieht man mit beiden Augen, durch die Monokulare nur mit einem.

Es ist für die Jagd sinnvoll, das Nachtsichtgerät als Monokular zu nutzen.

Dabei sollte man mit dem Auge durch das Nachtsichtgerät sehen, mit dem man nicht durch das Zielfernrohr schaut. Denn das Auge braucht einige Zeit, um sich wieder an die Dunkelheit zu gewöhnen.

In der Dunkelheit weiten sich nämlich die Pupillen nach einiger Zeit, um auch ohne Hilfsmittel möglichst viel von dem wenigen Restlicht bei Nacht einzufangen. Blickt man allerdings durch das Nachtsichtgerät mit dem verstärkten Licht, verengt sich die betreffende Pupille deutlich, da dem Auge plötzlich ausreichend Licht zur Verfügung steht und das Gehirn nicht mit zu vielen Informationen überfordert werden soll.

Würde man jetzt das Zielfernrohr mit demselben Auge benutzen, würde die verengte Pupille kaum Licht einsammeln und man nur sehr wenig sehen.

Deswegen ist es ratsam, das Nachtsichtgerät als Monokular anzuschaffen und das linke Auge dafür zu nutzen, wenn man mit rechts schießt (Also mit dem rechten Auge durch das Zielfernrohr blickt.). Als Linksschütze gilt das entsprechend umgekehrt.

Diese Anpassung ermöglicht es schnell zwischen Nachtsichtgerät und Zielfernrohr zu wechseln und stets optimale Sichtverhältnisse zu haben.

Binokluare haben jedoch den Vorteil, dass sie ein größeres Sehfeld bieten.

Davon abgesehen sollten die Nachtsichtgeräte in beiden Fällen stets eine Gummierung am Okular haben, damit nicht das verstärkte Licht aus dem Nachtsichtgerät nach außen tritt und das Wild verschreckt.

Die Art der Nachtsichtgeräte wird je nach technischem Stand nach Generationen geordnet, wobei die vierte Generation den weitesten Entwicklungsstand bezeichnet. Diese ist bisher aber nur für den militärischen Gebrauch freigegeben.

Im Jagdbereich können Geräte von der Generation 0 bis zur dritten Generation erworben werden.

 

Funktionsweise von Nachtsichtgeräten

Die Nachtsichtgeräte mit Bildverstärker funktionieren durch eine Restlichtverstärkung. Das wenige Licht, das wie beim Fernglas durch das Objektiv einfällt, trifft hier auf eine Bildwandlerröhre. Diese besitzt kleine Felder, so genannte Fotokathoden.

Sobald Licht auf diese Fotokathoden fällt, werden diese angeregt und Elektronen frei gesetzt, die dann durch ein Vakuum beschleunigt in die entsprechende Position auf einem fluoreszierenden Schirm geschleudert werden.

Durch die Kombination der Elektronen auf ihren jeweiligen Positionen entsteht auf diesem Schirm dasselbe Bild, das das Nachtsichtgerät durch das Objektiv einfängt, nur eben heller und wegen der Fluoreszenz mit einem Grünstich.

Die Fluoreszenz ist der beschriebene Prozess der Beschleunigung der Elektronen. Dabei werden auch die Wellenlängen der Lichtstrahlen verlängert, sodass die Bilder farblich in den Grünbereich verschoben werden.

Ebenfalls wie beim Fernglas sieht man dieses Bild nun, indem man durch das Okular blickt.

Man spricht in leichtem Unterschied zum Bildverstärker dann von einem Bildwandler, wenn die Fotokathode auf Licht anspricht, das für das menschliche Auge nicht sichtbar ist, beispielsweise Ultraviolet und Infrarot. Dieses wird dann durch denselben Prozess wie oben beschrieben in Sichtbares gewandelt. Die Geräte mit Bildwandler sind seltener und können beim Gebrauch bei Tageslicht beschädigt werden.

Die Qualität des im Nachtsichtgerät entstehenden Bildes hängt dabei von der Empfindlichkeit der Fotokathoden und der Beschleunigung zum Schirm hin ab.

Schwächere Geräte bieten daher eine geringere Auflösung, weniger Schärfe und Kontrast, zudem tritt teilweise ein Bildrauschen auf.

 

Rechtlicher Rahmen von Nachtsichtgeräten

Nachtsichtgeräte dürfen bei der Jagd aber nur zum Ansprechen des Wilds eingesetzt werden.

Es ist verboten, Nachtsichtgeräte als Zielhilfe einzusetzen. Das heißt insbesondere, dass sie nicht direkt oder indirekt an die Jagdwaffen montiert werden dürfen.

Dies verbietet das Bundesjagdgesetz. Ein Verstoß gegen dieses Verbot stellt nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern bereits eine Straftat dar. Genauso sind Nachtsichtaufsätze oder–vorsätze für Zielfernrohre verboten.

Dieses Gesetz kann auch nur auf Bundesebene grundsätzlich geändert werden. Allerdings können die unteren Jagdbehörden, welche meist die Kreisverwaltungen sind, in besonderen Fällen Ausnahmen von diesem Verbot gewähren. Dabei handelt es sich immer um Einzelfallentscheidungen.

Allerdings könnte dieses Verbot in naher Zukunft aufgeweicht werden. Wie bei den Schalldämpfern könnte hier das Bundesland Bayern Vorreiter sein. Da die entsprechende Gesetzgebungskompetenz aber eben nicht bei den Ländern liegt, soll dieses Problem über eine Dienstanweisung mit Handlungsempfehlung für die unteren Jagdbehörden umgangen werden.

So wurde die Bayerische Landesregierung im März 2015 angehalten, Wege zu finden, den Einsatz von Nachtzielgeräten bei der Jagd auf Schwarzwild in bestimmten Problemregionen vermehrt - soweit möglich für alle Jäger - zuzulassen. Als Problemregionen gelten solche mit besonders viel Schwarzwild sowie mit erhöhtem Gefährdungspotential durch Schwarzwild.

Mit Hilfe einer grundsätzlichen Lockerung der Kriterien für die Ausnahmegenehmigungen soll das Verbot umgangen werden.

Für eine grundsätzliche Legalisierung ist jedoch eine Anpassung sowohl des Jagd- als auch des Waffenrechts notwendig, weshalb die konkrete Realisierung vermutlich noch etwas Zeit benötigen wird. Dazu kommt, dass der bayerische Landesjagdverband die Legalisierung der Nachtzielgeräte ablehnt und sie verhindern will.

Auslöser für diese Initiative, das Nachtsicht-Verbot aufzuweichen, war die Wildschweinplage in Franken.

Manche Experten vermuten, dass die Wildschweinpopulation deswegen nicht mehr kontrollierbar sei, weil die Tiere für die herkömmliche Jagd zu intelligent seien.

Der große Vorteil von montierten Nachtzielgeräten: Sie ermöglichen auch im dunklen ein sehr genaues Zielen, so dass ein waidgerechtes Erlegen möglich ist. Auch die Gefahr für Unbeteiligte wird durch Nachtsichtgeräte reduziert, da mit ihnen Mensch und Tier sicher auseinander gehalten und der Hintergrund besser beobachtet werden können, wobei ohnehin grundsätzlich kein Schuss abgegeben werden darf, wenn eine Gefährdung anderer nicht sicher ausgeschlossen werden kann.

Ein Nachteil einer erweiterten Legalisierung wäre, dass dem Wild und auch der Umgebung die nächtlichen Ruhepausen genommen werden.

Gänzlich abzuraten ist in der Zwischenzeit jedoch von selbst erstellten Konstruktionen aus einer Nachtsichtbrille und einem Zielfernrohr. Zwar wird hier kein verbotenes montagefähiges Nachtsichtgerät in dem Sinne eingesetzt, jedoch ist der Einsatz von Nachtsichtgeräten als Zielhilfe grundsätzlich nicht erlaubt, auch wenn das Nachtsichtgerät nicht fest auf dem Gewehr montiert ist. Ein solcher Schuss wäre also ebenso nicht legal.

Zudem ist bei dieser Konstruktion der Augenabstand zum Zielfernrohr zu weit und die Bildqualität sehr schlecht. Davon abgesehen besteht auch noch eine erhebliche Verletzungsgefahr für den Schützen durch den Rückstoß. Dabei kann obendrein natürlich auch noch das Zielfernrohr beschädigt werden.

 

Nachtsichtgeräte Modelle

Für etwa 100 -200 € erhält man einfache Nachtsichtgeräte. Ab ca. 2000 € kann man hochwertige und leistungsstarke Geräte erwerben.

Bei der Auswahl des richtigen Modells sind vor allem die Lichtstärke, die Lichtempfindlichkeit und das Signalrauschen relevant. Letzteres sollte möglichst gar nicht auftreten.

Das Objektiv sollte möglichst groß sein, um viel Licht einsammeln zu können.

Auch ein großes Okular ist nützlich, um den Augen eine große Fläche zu geben, an der sie anknüpfen können. Das macht das Beobachten weniger anstrengend.

Beides gilt es gegen die Kompaktheit des Gerätes abzuwägen.

Das Armasight Nyx-14 Idi gehört zu den führenden unter den Nachtsichtgeräten.

Es ist ein sehr hochwertiges Modell und besonders kompakt und leicht, was vor allem unterwegs im Wald sehr bequem ist. Außerdem ist es vor Feuchtigkeit und extremen Temperaturen geschützt. Es ermöglicht außerdem eine hohe Bildqualität und Auflösung, wobei es gleichzeitig sehr robust bei Stößen und anderen mechanischen Einwirkungen ist. Die Version Idi verfügt über einen grünen Phosphorschirm.

Das Modell Pulsar DN-55 Forward Nachtsichtgerät digital benutzt einen Laserstrahl aus einem Infrarotbereich, der mit menschlichen Augen nicht wahrgenommen werden kann. Die Vergrößerung kann variabel angepasst werden.

Dazu gibt es auch Deckeladapter als Nachtsichtaufsätze von Pulsar in den Größen 42 mm, 50 mm und 56 mm.

Mit Hilfe von Übergangsringen können diese beispielsweise an Ferngläsern angebracht werden.

Mit einem Infrarotaufheller können die Bilder in ihrer Leuchtkraft verstärkt werden. Dabei wird möglichst nur die gerade benötigte Infrarotenergie abgegeben, um das Bild so aufzuhellen, dass es optimal erkennbar, aber nicht mit einem Rotstich versehen ist. Diese Dimmer sind dabei fokussierbar, sodass das betrachtete Objekt besonders hervorgehoben wird, während an die Umgebung möglichst wenig an Streulicht verloren geht.

Armasight produziert Infrarotaufheller (IR-Aufheller), die mit anderen Nachtsichtgeräten verbunden werden können, wenn diese nicht darüber verfügen oder der aktuelle IR-Aufheller zu schwach ist.

Der Armasight IR 850 hat beispielsweise eine für die Jagd ausreichende Reichweite von 300 Metern und ist ein sehr preiswertes Modell.

 

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