Gehörschutz bei der Jagd

Das menschliche Gehör ist an eine Lautstärke von etwa 70 Dezibel gewöhnt und auf diese optimal eingestellt.

Der Bereich von 60 bis 80 Dezibel reicht für den Menschen aus, um alle wichtigen Geräusche wahrzunehmen.

Unser Organismus ist deswegen darauf programmiert, Lautstärken über 80 Dezibel als Gefahrensignal wahrzunehmen. Eine dauerhafte Geräuschbelästigung über 80 Dezibel führt daher zu Stress.

Dabei muss man beachten, dass die Maßeinheit Dezibel nicht in gleichmäßigen Schritten misst, sondern eine Erhöhung der Dezibelzahl um 10 jeweils eine Verdopplung der tatsächlichen Lautstärke bedeutet. Das heißt 80 Dezibel sind doppelt so laut wie 70. Bei 90 Dezibel ist es im Vergleich zu 70 schon die vierfache und bei 100 die achtfache Lautstärke. 

 

Schäden durch übermäßigen Lärm

Durch zu große Lärmbelastung werden jedoch die Haarsinneszellen zerstört. Das ist umso dramatischer, als dass sich einmal zerstörte Sinneszellen des Gehörs nicht mehr regenerieren.

Gerade für Jäger ist ein gutes Gehör aber von großer Bedeutung, weil so Wild früher wahrgenommen und anvisiert werden kann.

Besonders gefährlich ist für die Sinneszellen der Impulslärm. Impulslärm beschreibt eine plötzlich auftretende sehr lautstarke Lärmquelle – etwa einen Knall.

Solcher Impulslärm tritt bei der Jagd durch den Schuss mit etwa 160 bis170 Dezibel an der Mündung auf. Die Geräuschquelle liegt dabei zwangsläufig sehr nah am Ohr des Schützen, weshalb davon noch eine Geräuschbelastung von etwa 140 bis 150 Dezibel auf das Ohr wirkt. Sich dieser ungeschützt auszusetzen, ist sehr gefährlich, zumal in Deutschland der Einsatz von Schalldämpfern, die den Impulslärm um weitere 30-37 Dezibel reduzieren könnten, derzeit nur in Einzelfällen genehmigt wird. 

Die Kriterien für Ausnahmen bei der Genehmigung von Schalldämpfern könnten sich für Jäger in nächster Zeit aber bundesweit lockern. Denn in diese Debatte ist durch Bayern Bewegung gekommen. Dort wurden die unteren Jagdbehörden durch das bayerische Landwirtschaftsministerium angehalten, allen Jägern auf Antrag eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz von Schalldämpfern zu erteilen.  

Gewehre mit Mündungsbremsen, die den gefühlten Rückstoß vermindern, indem sie ihn in eine Richtung konzentrieren, spiegeln zudem den Mündungslärm in Richtung des Schützen zurück. Deswegen ist es undenkbar solche Jagdwaffen ohne Gehörschutz zu verwenden. 

So genannte Magnaports können außerdem den Mündungsknall verringern. Sie werden als Schlitze und Löcher an der Mündung in den Lauf gebohrt. Sie nehmen etwas von dem Druck, der sich sonst an der Mündungsöffnung entlädt und verringern damit den Mündungsknall.

Zu dem Mündungsknall addiert sich noch der Geschossknall, den das Geschoss selbst erzeugt, weil es schneller als der Schall fliegt. Dagegen hilft spezielle Unterschallmunition (Subsonic-Munition). Diese gibt keinen Geschossknall ab, da ihrer Geschwindigkeit unterhalb der Schallgeschwindigkeit bleibt. Das liegt daran, dass bei ihr der Gasdruck, der sie antreibt, geringer ist. Jedoch erfüllt Subsonic oft nicht die Mindestjoule für Schalenwild.

Der Gehörschutz, den die Jäger selbst tragen, wird vor allem gegen den Mündungsknall eingesetzt. Daher ist Unterschallmunition zwar hilfreich, bedeutet aber nicht, dass der Gehörschutz überflüssig wird. Im Gegenteil: Sie ist eine sinnvolle Ergänzung des Gehörschutzes. 

Es gibt im Wesentlichen drei Formen des Gehörschutzes: die Kapseldämpfung, die Otoplastiken und die klassischen Ohrstöpsel.

 

Passive und aktive Kapseldämpfung von einem Gehörschutz

Die so genannte Kapseldämpfung besteht aus zwei Kammern auf jedem Ohr, die mit einem Bügel verbunden sind. Diese Dämmung reduziert je nach Qualität die Lärmbelastung um 25 bis 40 Dezibel.

Sie hat zudem den Vorteil, dass sie auch gut bei plötzlich entstehender Geräuschbelastung – etwa bei einem Knall - dämpft.  

Der Nachteil der Kapseldämpfung liegt darin, dass sie recht sperrig aufzusetzen ist und bei der Drückjagd oder im dichten Gebüsch schnell vom Kopf gerissen werden kann.

Außerdem wird durch die sehr starke Dämmung der Geräusche auch die sonstige Umgebung nicht mehr wahrgenommen. Dazu kann der Brillenbügel bei Brillenträgern den effektiven Gehörschutz behindern, wenn dadurch die Kapseln nicht richtig auf den Ohren sitzen. Diese ältere Form der Kapseldämpfung wird als passive Dämpfung bezeichnet, da sie nur Geräusche reduziert, aber nicht selbst aktiv das Klingbild generiert.

Modernere Ohrschützer, die als aktiver Gehörschutz bezeichnet werden, benutzen statt des Dämmmaterials elektronische Technik: So werden plötzlich auftretende Geräusche ab 85 Dezibel wie der so genannte Impulslärm komplett gesperrt und können die Kopfhörer nicht passieren. Stattdessen werden die Umgebungsgeräusche verstärkt. Das hat vor allem auch den Vorteil, dass man heranpirschendes Wild vorzeitig hört.

Bei allen Gehörschützern mit Kapseldämmung kommt es im Sommer bei wärmeren Temperaturen allerdings zu starkem Schweißfluss von unter den Ohrschützern.

Außerdem ist das Richtungshören auch bei den aktiven Kapseldämpfungen stark eingeschränkt bis nicht möglich.

Der Peltor com Tac ist für Brillenträger besonders geeignet, da er kaum auf den Bügel drückt und dennoch abschließend auf dem Ohr sitzt.

Das Peltor-Modell hat allerdings den Nachteil, dass es keinen besonderen Wasserschutz besitzt.

Der MSA Supreme Pro X eignet sich beispielsweise für jedermann für den Ansitz und die Drückjagd, da er die Geräusche so dosiert verstärkt, dass nicht jedes kleine Tierchen, das über das Feld läuft, für ein wechselndes Wild gehalten wird. Er ist tauglich für jedes Wetter, 

auch bei starkem Wind und Regen ist er wasserdicht. Im Gegensatz zu anderen Gehörschützern riegelt er bei Impulslauten über 85 Dezibel nicht komplett ab, sondern reduziert diese lediglich auf 82 Dezibel. Etwas unkomfortabel ist allerdings der Batteriewechsel, denn die Batterien lassen sich nur durch starkes Schütteln aus der Halterung, in die sie sehr fest platziert werden, lösen.  

Ein ganz einfacher Gehörschutz aus Dämmmaterial ist ab 30 Euro zu haben. Für einen elektronischen gut ausgearbeiteten aktiven Gehörschutz kann man dagegen in der Regel 100 bis 300 € bezahlen. 

Die Peltor Sport Tac Bluetooth – Modelle kosten allerdings sogar um die 500 €. Diese haben aber nicht nur die übliche Geräuschdämmung und zusätzlich die Funktion des Richtungshörens trotz aufgesetztem Ohrschutz, sondern mit ihnen kann der Jäger auch mit seinen Begleitern kommunizieren, wenn diese ebenfalls diesen oder einen äquivalenten Gehörschutz tragen. Denn das Modell hat zusätzlich ein Mikrofon eingebaut und kann sich via Bluetooth mit anderen Gehörschutzen verbinden, sodass der Klang übertragen werden kann.   

 

Otoplastiken – technisierte und individuell angepasste Ohrstöpsel

Nur etwas weniger effektiv als die Kapseldämmung in der Geräuschdämmung sind Otoplastiken. Dies sind kleine, an die Ohrform angepasste Ohrstöpsel, die um 25 bis 35 Dezibel dämmen können. Dafür sind sie umso handlicher, denn sie werden ins Ohr gesetzt und brauchen deswegen keine weiteren Halterungen. Um sie optimal an die Ohrform anzupassen, wird zunächst ein Abdruck des Innenohrs angefertigt und dann nach dessen Vorbild die Otoplastik geformt.

Wie bei der Kapseldämpfung führt die leistungsstarke Dämmung allerdings auch dazu, dass auch die Umgebungsgeräusche kaum noch hörbar sind.

Neu entwickelte Otoplastiken benutzen ein Material, das sich beim Erwärmen durch die Körpertemperatur im Gehörgang erweichen lässt und dann optimal an die Ohrform anpasst.

Allerdings ist diese Technik deutlich teurer als die Kapseldämmung.

Auch für die Otoplastiken gibt es spezielle Filter, die bei Impulslärm über 85 Dezibel verriegeln und nur noch Umgebungsgeräusche durchlassen. 

 

Einfache Ohrstöpsel

Ohrstöpsel sind die denkbar einfachste Form des Gehörschutzes, weswegen sie auch im Hausgebrauch, etwa bei schnarchendem Ehepartner angewendet werden.

Sie dichten allerdings nur grob den Zugang zum Gehör ab. Deswegen sind sie jedoch auch sehr leicht zu produzieren und kosten je nach Menge nur wenige Euro.

 

Die drei Formen des Gehörschutzes im Vergleich

Der gemeinsame Vorteil von Kapseldämpfung und Otoplastiken gegenüber herkömmlichen Ohrstöpseln liegt darin, dass sie nicht nur grundsätzlich besser dämmen, sondern auch in allen Frequenzbereichen des Schalls. Herkömmliche Ohrstöpsel dämmen bei einer Frequenz um die 4000 Herz sehr schlecht.

Sowohl Otoplastiken als auch Ohrstöpsel reduzieren allerdings nur das Eindringen des Schalls durch den Gehörgang. Aber die Schallwellen werden neben dem Gehörgang selbst, auch über den Schädelknochen rund um das Ohr übertragen. 

Hier schützen nur die Kapseldämpfungen effektiv, die umgangssprachlich scherzhaft „Micky Mäuse“ genannt werden. Denn sie erinnern in ihrer Form an die abstehenden Ohren, die der Maus in dem Cartoon überzeichnet gemalt werden. 

 

Gehörschutz für Jagdhunde

Das Gehör von Hunden ist insofern besser als das der Menschen, als dass sie zwar nicht lauter als wir hören, jedoch eine breitere Palette an Tönen – nämlich auch im Ultraschallbereich – wahrnehmen können.

Ihr Gehör wird aber genauso wie das menschliche beim Schuss belastet. Daher sollte möglichst nicht in unmittelbarer Nähe des Jagdhundes geschossen werden. Als zusätzlicher Schutz kann auch ein Gehörschutz für den Hund erworben werden. Dieser reduziert die Lärmbelastung wie beim Menschen, sofern der Hund diesen Schutz akzeptiert und nicht abschüttelt. 

Da der Hund mit diesem Gehörschutz aber erheblich in seiner Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkt wird, sollte der Schutz immer erst kurz vor dem Schuss aufgesetzt werden.

Bei der Nachsuche ist es aber in der Regel kaum zu vermeiden, dass Schüsse in der Nähe des Hundes abgegeben werden, und auch die Möglichkeit dem Hund noch Gehörschutz aufzuziehen, besteht in der Regel nicht.

 

Praxistipps

Für Brillenträger bietet der MSA Supreme Pro X speziellen Schutz. Denn er nutzt statt Schaumstoff Gelkissen. Diese passen sich dem Brillengestell optimal an und umschließen das Ohr dennoch vollständig, sodass ein optimaler Schutz gewährleistet wird.

Es gibt den MSA Supreme Pro auch mit Nackenband. Dies ist dann nützlich, wenn man bereits einen Helm oder ein Nachtsichtgerät trägt und hält aufgrund neuer Technologie sicher auf dem Kopf.

Wenn der Kopf bereits für einen Helm oder ein Nachtsichtgerät genutzt wird, können auch die kleinen Sonic Defender nützliche Helfer sein. Sie halten mittels einer kleinen Ohrhalterung und brauchen so keinen Bügel. 

Der Surefire Gehörschutz EP5 Sonic Defender Max riegelt erst ab 85 Dezibel automatisch ab, sodass man trotz Gehörschutz Umgebungsgeräusche hören und Gespräche führen kann und dennoch sicher geschützt ist.

 

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